Geladene Sprache
Die Emotionalisierung der Debatten zum Nahostkonflikt
José Brunner, Tel Aviv University
(Überarbeitete Version eines Vortrags anlässlich des DPV-Kulturworkshops 2025 »Die Gefährdung des Gesprächs unter den Bedingungen der Polarisierung« am 27. Juni 2025 an der IPU Berlin)
Der Begriff der Sprache im Titel dieses Textes bezieht sich auf ihre Verwendung im Gespräch, in einer sozialen Praxis der Interaktion, einer Handlung. Es geht um das Ansprechen einer anderen Person, um den Effekt, den das Sprechen auf andere hat, aber auch um die Auswirkung des Sprechens des oder der anderen auf einen selbst – im Gegensatz zum Konzept der Sprache als Struktur, als abstraktes System von Zeichen und Symbolen. Freud thematisiert diesen intersubjektiven Aspekt der gesprochenen Worte schon früh, als er 1890 in einem Artikel unter dem Titel »Psychische Behandlung« schreibt:
»Wir beginnen nun auch den ›Zauber‹ des Wortes zu verstehen. Worte sind ja die wichtigsten Vermittler für den Einfluß, den ein Mensch auf den anderen ausüben will; Worte sind gute Mittel, um seelische Veränderungen bei dem hervorzurufen, an den sie gerichtet werden, und darum klingt es nicht länger rätselhaft, wenn behauptet wird, daß der Zauber des Wortes Krankheitserscheinungen beseitigen kann, zumal solche, die selbst in seelischen Zuständen begründet sind.«1
Freud kommt immer wieder darauf zurück, dass Worte eine magische Kraft haben, dass sie »ursprünglich Zauber« waren und sich ihre »Zauberkraft« bewahrt haben. So auch in seinen Einführungsvorlesungen von 1916-17, wo er schreibt:
»Durch Worte kann ein Mensch den anderen selig machen oder zur Verzweiflung treiben, durch Worte überträgt der Lehrer sein Wissen auf die Schüler, durch Worte reißt der Redner die Versammlung der Zuhörer mit sich fort und bestimmt ihre Urteile und Entscheidungen. Worte rufen Affekte hervor und sind das allgemeine Mittel zur Beeinflussung der Menschen untereinander. Wir werden also die Verwendung der Worte in der Psychotherapie nicht geringschätzen […].«2
Ich begebe mich mit diesem Vortrag auf einen von Freuds großen Fußstapfen geprägten Weg – allerdings geht es mir nicht nur um die Art, in der Worte andere Menschen beeinflussen und Affekte bei ihnen hervorrufen. Mich interessiert, wie Sprecher Worte mit Affekten aufladen und um die Gefühle, die sie ausdrücken. Im Unterschied zu Freud, der angesichts der von ihm konstatierten Magie der Worte immer auch von ihrer heilenden Wirkung schreibt, geht es mir primär um die Verbindung von Sprache und Gewalt, darum, wie nicht nur über Gewalt gesprochen wird, sondern auch eine Wortwahl selbst etwas Gewalttätiges haben kann. Dieser im Vergleich zu Freud etwas andere Fokus ist sicher kein Zufall, wenn man aus dem Nahen Osten kommt.
Wer im Nahen Osten lebt, lebt in einem mit Gewalt saturierten Umfeld: Besatzung, Pogrome, Terror, Kriege, Checkpoints und Widerstand gehören auf beiden Seiten des Konflikts zum Alltag, jedoch im zunehmend stärkeren und umfassenden Ausmaß zum Alltag der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen, deren Leben oft nur noch ein Überleben israelischer Gewalt bedeutet. Einerseits ist Gewalt körperlich. Sie ist materiell und wird durch Bomben, die im Gazastreifen einschlagen, durch Messer von Terroristen, durch ballistische Raketen und Drohnen sowie durch Gewehrgeschosse und Granaten ausgeübt. Auch die Folgen dieser Gewalt sind primär physisch: Zerstörung, körperliche Verletzungen und Tod.
In Reaktion auf palästinensische Gewaltakte, die auch Selbstmordattentate in urbanen Zentren einschlossen und ihrerseits eine Reaktion auf die nicht enden wollende Gewalt der israelischen Militärbesatzung darstellten, begann Israel zur Jahrtausendwende eine Betonmauer und einen Zaun zu bauen, die diese physische Gewalt vom Kernland Israels abhalten sollten. Diese Trennmauer wurde bis 2005 auf palästinensischem Gebiet gebaut und erreichte eine Länge von 700 Kilometern. In Kombination mit mehr als 900 mobilen und permanenten Barrieren, eisernen Toren, und Aufschüttungen innerhalb des Westjordanlands, die palästinensische Dörfer und Städte voneinander trennten, verunmöglichte sie jede normale Landwirtschaft, wirtschaftliche Tätigkeit, Studium und medizinische Versorgung. Aus palästinensischer Sicht verkörpern diese Barrieren israelische Willkür: Teilweise mobile Checkpoints zerstückeln das Westjordanland in immer wieder andere geografische Einheiten und verwandeln für Palästinenser auch das einfachste alltägliche Unterfangen in einen zutiefst demütigenden Spießrutenlauf.
So fördern die Trennmauer wie auch die Checkpoints nicht nur die Abwehr palästinensischer Gewalt, sie sind zugleich in Beton und Stahl gegossene israelische Gewalt. Sie dienen nicht nur der Sicherheit, sondern auch dazu, die Palästinenser zu demütigen und geordnete Lebenswelten zu zerstören. Als Zeichen der israelischen Macht demonstrieren sie zugleich die palästinensische Machtlosigkeit.
Mauern und Zäune sind also nicht einfach Hindernisse. Sie sind Ausdruck einer andauernden, passiv-aggressiven politischen Körpersprache Israels, während palästinensische Terrorattentate Teil einer sporadischen, aggressiven Körpersprache sind. Wie alle politischen Maßnahmen drücken diese Körpersprachen nicht nur Gefühle aus – Angst, zum Beispiel, oder Hass, Missachtung oder Überheblichkeit – sie rufen auch auf beiden Seiten Gefühle hervor. Benjamin Netanjahu erklärte deutlich, was sie für ihn bedeuteten, als er 2016 in einem Interview in der israelischen Tageszeitung Haaretz zu diesem Regime der Mauern und Zäune befragt wurde. Das war seine Antwort: »Am Ende wird es im Staat Israel, so wie ich es sehe, einen Zaun geben, der alles umgibt. … In dem Gebiet, in dem wir leben, müssen wir uns gegen die Raubtiere verteidigen.«3
Aus dieser Haltung heraus begann Israel 2017 einen weiteren Zaun zu bauen. Er war dafür gedacht, die Infiltration des Südens Israels durch die Hamas zu verhindern, die im Untergrund und mit Hilfe der mittlerweile bekannten Angriff-Tunnel immer wieder ins israelische Kernland vordrang und wiederholt versuchte, Israelis in diese Tunnel zu verschleppen. Dieser ungefähr 65 Kilometer lange Zaun war nicht nur mit High-Tech-Gadgets ausgerüstet, er wurde auch mehrere Meter tief in den Boden gegraben. Auch er sollte Israel ein Gefühl der Sicherheit geben, und auch er sollte die israelische Macht demonstrieren und palästinensische Gewalt abwehren – die »Raubtiere« fernhalten. Er sollte Israel unverwundbar machen.
Diese verallgemeinernde Skizze der Formen der physischen Gewalt, die den Israel-Palästina Konflikt kennzeichnen, kann ihre Folgen nicht wirklich beschreiben. Werden wir also etwas konkreter, wie ich es in meinem Buch Brutale Nachbarn: Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können4, getan habe. Ich stütze mich im Verlauf meiner Darstellung auf dieses Buch, dem ich mehrere, hier kursiv wiedergegebene Passagen entnehme.
Am 7. Oktober 2023 haben mehrere Tausend Hamas-Kämpfer den südlichen Sicherheitszaun durchbrochen, sind in über zwanzig israelische Ortschaften eingedrungen, haben mehr als 250 Geiseln genommen, über 1200 Israelis getötet und viele mehr verwundet. In Reaktion auf diese palästinensische Gewalt hat Israel mehr als 100.000 Palästinenser getötet und den Gazastreifen vollständig verwüstet. Praktisch alle Menschen im Gazastreifen sind obdachlos, viele leben immer noch in Zelten, auch die, die nach der prekären Waffenruhe, die im Moment dort herrscht, in ihre ursprünglichen Dörfer und Städte zurückgekehrt sind. Ihre Häuser sind entweder Steinhaufen oder Ruinen, die in Gefahr sind, jeden Moment in sich zusammenzufallen. Laut den Vereinten Nationen hat Israel – Stand Januar 2025 – über neunzig Prozent aller Wohneinheiten des Gazastreifens zerstört oder beschädigt.5
Ein nüchterner Tatsachenbericht dieser Art beschreibt die Folgen der israelischen Gewalt im Gazastreifen nur sehr beschränkt, denn er bezieht sich nur auf die physische Dimension der Gewalt. Die langfristigen psychischen Folgen der Zerstörung des Gazastreifens sind noch nicht absehbar. Das Leben im Gazastreifen ist seit dem 7. Oktober 2023 die Hölle, kein psychoanalytischer Fachausdruck kann dem gerecht werden. Wobei es nie einfach war, in Gaza aufzuwachsen. Im Vergleich zu Israel, wo die große Mehrheit der Bevölkerung trotz aller Probleme in relativer Sicherheit im Zentrum des Landes lebt und auf eine gut funktionierende medizinische Versorgung zählen kann, hat ein 16-jähriger Junge oder ein gleichaltriges Mädchen in Gaza ein weitaus schwierigeres Leben. Seit ihrer Geburt haben sie schon fünf Phasen intensiver Bombardierungen erlebt, in denen sie um ihr Leben fürchten mussten und um das ihrer Eltern und Geschwister. Diese Phasen waren von mehreren israelischen Militäroperationen geprägt, denen ein Armeecomputer jeweils beeindruckende Namen gab: von 2008 bis 2009 die Operation Cast Lead, 2012 die Operation Pillar of Defense, zwei Jahre später, also 2014, die Operation Protective Edge und 2021, zwei Jahre vor der Hamas-Attacke, die Operation Guardian of the Walls. Diejenigen, die etwas älter sind, haben vorher noch fünf Jahre lang unter den Gefahren und der Gewalt der im Jahr 2000 ausgebrochenen Al-Aksa-Intifada gelitten, die im Gazastreifen noch gravierender waren als im Westjordanland.
Im Vergleich zu westlichen Ländern ist die Bevölkerung Gazas sehr jung, doch in Gaza bedeutet Kindheit nicht das geschützte Leben, das man im Westen mit diesem Begriff assoziiert. Wer hier aufwächst, erlebt irgendwann, irgendwo – wenn er oder sie nicht selbst verletzt oder verhaftet wird – die gewaltsame Verletzung, Verhaftung oder Tötung eines Familienmitglieds, Nachbarn oder Freundes. Auch die Bombardierung des eigenen Hauses, der Schule, des Krankenhauses und der Moschee gehören schlicht dazu. Die israelisch-palästinensische Kriminologin Nadera Shalhoub-Kevorkian spricht in diesem Zusammenhang von »unchilding« und meint damit eine »Entkindlichung« der Palästinenser durch das israelische Besatzungsregime, das auch palästinensische Kinder als Feinde behandelt.6 Solche Erlebnisse, verbunden mit der offensichtlichen Demütigung der Eltern angesichts der allgegenwärtigen israelischen Gewalt, bewirken bei vielen Kindern drastische Folgen: Sie erleben andauernde Angstzustände, Schlafstörungen und Albträume. Sie nässen das Bett ein, haben Aggressionen, Wutanfälle und Ressentiments. Verzweifelt versuchen sie, die Eltern zu kontrollieren, und da alles nichts hilft, leiden sie unter Depressionen.7
Auch in Israel erfährt man die Gewalt des Nahostkonflikts schon früh im Leben, wenn auch etwas anders: In Form von Terror, seit vielen Jahren in Form von Raketen der Hamas aus dem Süden, und seit dem 7. Oktober auch wieder durch Raketen der Hisbollah aus dem Norden, der Huthis aus dem Jemen und ballistische Raketen und Drohnen aus dem Iran.
Im Juni 2025, während des Kriegs mit dem Iran, verbrachten meine Frau und ich jeden Tag mehrere Zeitabschnitte in unserem – in israelischen Häusern üblichen – Schutzraum, zusammen mit unserer ältesten, damals schwangeren Tochter, ihrem Mann und ihrer fünfjährigen Tochter. Sie zogen nach dem Angriff auf den Iran zu uns, weil der Altbau im Süden Tel Avis, in dem sie wohnen, keinen Schutzraum hat. Während einer dieser gemeinsamen Schutzraum-Aufenthalte wandte sich unsere Enkelin zum Bauch unserer Tochter und erklärte ihrem zukünftigen Bruder, dass jetzt draußen etwas Gefährliches geschehe, er sich aber keine Sorgen machen müsse, denn hier drin seien wird geschützt.
Aus israelischer Sicht ist das aktuelle Geschehen eine Folge der Hamas-Attacke vom 7. Oktober, wobei es im israelischen Diskurs als anti-israelisch oder sogar als antisemitisch gilt, wenn man diese Attacke durch sechs Jahrzehnte israelische Besatzung kontextualisiert. Dieser Angriff, der aus einem unerklärlichen Hass entstanden sein soll, schockierte das Land durch die außerordentliche Grausamkeit, mit der israelische Zivilisten – darunter Babys, schwangere Frauen, Betagte und Behinderte – erniedrigt, vergewaltigt, verstümmelt, ermordet und entführt wurden.
Doch zugleich entspricht, was Israel als Vergeltung unternahm, nicht dem konventionellen völkerrechtlichen Verständnis militärischer Strafe oder Abschreckung. Die israelische Invasion des Gazastreifens war von Anfang an als Vernichtungskrieg angelegt, in dessen Verlauf über schon rund 100.000 palästinensische Zivilisten ums Leben kamen, weit über hunderttausend Menschen verwundet und rund zwei Millionen Menschen obdachlos wurden. Letztere haben nicht nur ihr Heim verloren, sie werden auch immer wieder von ihren temporären Wohn- und Zufluchtsorten vertrieben. Wie auch in den früheren Feldzügen haben israelische Armee- und Regierungssprecher diese Tötungen, Verletzungen und Zerstörungen als »Kollateralschaden« abgetan, das heißt, als unbeabsichtigte und unbedeutende Nebenwirkung der Kriegsgewalt gegen die Hamas.8 Diese Darstellung war noch nie sehr überzeugend. Doch seit Oktober 2023 zeigt sie sich angesichts der enorm hohen Zahlen der Toten und Verletzten und der erschreckenden Bilder der Zerstörung Gazas als krasse Verharmlosung der israelischen Gewalt.
Wenn die israelischen Streitkräfte ganze Wohnviertel, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten und Moscheen intensiv bombardieren und Politiker wie Soldaten dieses Vorgehen öffentlich immer wieder damit begründen, dass es in Gaza keine unschuldigen Zivilisten gibt, kann man nicht von Kollateralschaden sprechen.9 Wenn sie die Infrastruktur einer ganzen Region vernichten, sodass im Gazastreifen Trinkwasser nur beschränkt genießbar ist und ein Großteil der Bevölkerung Gazas an Hunger leidet, wenn Israel verhindert, dass Verwundete und Kranke Medikamente erhalten, sodass auch Kinder ohne Anästhesie operiert werden müssen, ist das nicht weniger grausam, als wenn die Hamas-Kämpfer israelische Zivilisten ermorden, vergewaltigen und verschleppen. Ebenso wenig, wie die Grausamkeit der Hamas in der Bezeichnung Terror aufgeht, genauso wenig verdient die Grausamkeit Israels den Namen Kriegshandlung.10
Wenn wir nicht nur Zeugen von Gewalt, sondern von Grausamkeit werden, ist unsere Reaktion zunächst emotional: ein Schaudern. Vielleicht habe ich das nun auch durch die letzten, konkretesten meiner Darstellungen hervorgerufen, als Teil der magischen Kraft der Worte, von der Freud schrieb. Vieleicht verspüren Sie auch Abscheu, Ekel und Wut, oder Mitleid, Mitgefühl und Erbarmen. Solche Emotionen scheinen aus unserem Inneren zu kommen, aus dem Bauch und aus dem Herzen, und sie erfassen uns als Ganzes. Wir fühlen sie mit Leib und Seele, in einem Moment, in dem alles andere in den Hintergrund tritt. Emotionen überwältigen uns, wenn Verhaltensweisen und Ereignisse in unserer Umwelt uns erschrecken, verängstigen, ärgern oder erbosen. Zeuge von Grausamkeit zu sein, trifft uns in unserem Innern.
Als Zuhörer kommt zuerst das sogenannte emotionale Wissen, erst dann kommt das bewusste, reflektierte Denken, wie die US-amerikanische Philosophin Martha Nussbaum überzeugend argumentiert hat.11 Deshalb müssen wir Gefühle wie Entsetzen, Empörung, Zorn, Trauer oder Verzweiflung ernst nehmen, die wir angesichts dessen empfinden, was man vom Nahostkonflikt im Ausland hört, sieht und liest.12
Zwangsläufig ist auch die Sprache, mit der ich politische Ereignisse beschreibe, emotional, politisch und moralisch gefärbt. Das haben Sie sicher auch in meiner Darstellung wahrgenommen. Spreche ich von »Gräueltaten« der Hamas oder Israels, so drücke ich Abscheu aus, verurteile diese moralisch und distanziere mich von ihnen politisch. Würde ich die Hamas-Attacke hingegen als »Akt des bewaffneten Widerstands« bezeichnen, und die Tötungen von Zivilisten im Gazastreifen als Teil von »Kriegshandlungen«, so würde ich ihnen das Erschreckende nehmen und sie als legitime Gewalt billigen.13
Mein erstes Argument bezüglich der emotionalen Aufladung der Sprache zum Nahostkonflikt ist also, dass es keine aussagekräftige emotionsfreie Darstellung der Ereignisse des Nahostkonflikts gibt – genau so wenig, wie es keine wertfreie Darstellung gibt oder geben kann. Unsere Sprache, unsere Wortwahl, ist mit Emotionen und Werturteilen geladen, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht.
Ein bezeichnendes Beispiel, das ich in Brutale Nachbarn für die vielschichtige emotionale Aufladung der Worte gebe, die man im Gespräch zum Nahostkonflikt verwendet, ist die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem. Es ist kein Zufall, dass die Hamas den Angriff vom 7. Oktober »Operation Al-Aksa-Flut« nannte und damit sowohl auf die biblische Sintflut als auch auf diese Moschee anspielte, den drittheiligsten Ort des Islam, den sie gegen die jüdischen Frevler zu verteidigen vorgibt. Die Stelle, wo die Moschee errichtet wurde, zeigt, wie tief hier Glauben, Emotion und Politik miteinander verwoben sind: Sie steht auf dem Hügel, auf dem einst der jüdische Tempel stand und auf dem in noch früheren Zeiten laut der biblischen Überlieferung Abraham seinen Sohn Isaak beinahe geschlachtet hätte – angeblich um den Willen Gottes zu erfüllen.
Diese Verwobenheit macht es schwer, eine neutrale Beobachterposition einzunehmen. Benutzt man zur Bezeichnung des oben erwähnten Hügels in Jerusalem seinen arabischen Namen »Haran al-Sharif« (der erhabene, heilige Bereich), betont man die muslimische Dimension. Benutzt man den Namen »Tempelberg«, unterstreicht man die jüdische. Üblicherweise ist eine solche Wortwahl nicht das Resultat reiflicher politischer Überlegungen. Wir entscheiden uns intuitiv – und solche Intuitionen drücken unsere Grundpositionen aus, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind.14 Mein Argument in Brutale Nachbarn ist, dass wir uns einer solchen Wahl nicht entziehen können und es keine neutrale Sprachinsel gibt, auf die wir flüchten können.
Ghassan Kanafani gilt als einer der wichtigsten palästinensischen Schriftsteller, viele seiner Novellen wurden ins Deutsche übersetzt. Sie bieten eine faszinierende, wenn auch manchmal etwas plakative, polemische Lektüre. Der 1936 in Akko geborene Autor hatte die Nakba („Katastrophe“, wie die Palästinenser die gewaltsame Zerstörung ihrer Gesellschaft im Verlauf der 1948 erfolgten Gründung Israels nennen,) im Alter von 12 Jahren erlebt. Seine Familie flüchtete nach Beirut und Damaskus, wo er Literatur studierte. Zugleich lebte er als radikaler politischer Aktivist: Er war Sprecher der Marxistischen Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), die immer wieder Attentate gegen Israel plante und verübte – unter anderen eines am Flughafen von Tel Aviv, Ende Mai 1972, bei dem 26 Zivilisten ums Leben kamen. Einen Monat später, am 8. Juli 1972, wurde Kanafani durch eine Autobombe in Beirut getötet. Der Anschlag ist bis heute ungeklärt, aber man kann annehmen, dass der israelische Außengeheimdienst Mossad dahintersteckt.15
Ich möchte Ihnen einen Ausschnitt aus einem Interview vorlesen, das der Journalist Richard Carleton des australischen Fernsehnetzwerks ABC im September 1970 in Beirut mit Kanafani führte. Die PFLP hatte gerade mit ihren ersten Flugzeugentführungen von sich reden gemacht und der Konflikt mit dem jordanischen Haschemitischen Königreich brodelte. Im Verlauf dieses sogenannten »Schwarzen Septembers« drohte den in Jordanien lebenden Palästinensern der Exodus in den Libanon.
»RC: Der Krieg, der Bürgerkrieg, scheint wirklich ergebnislos gewesen zu sein?
GK: Es ist kein Bürgerkrieg, es ist ein Volk, das sich gegen eine faschistische Regierung verteidigt, die Sie verteidigen, weil nur König Hussein einen arabischen Pass besitzt. Es ist kein Bürgerkrieg.
RC: Nun, der Konflikt …
GK: Das ist kein Konflikt. Das ist eine Befreiungsbewegung, die für Gerechtigkeit kämpft.
RC: Nun, wie auch immer man es nennen mag.
GK: Das ist nicht egal. Denn genau hier beginnt das Problem. Denn das führt zu all Ihren Fragen. Hier kämpft ein diskriminiertes Volk für seine Rechte. Das ist was passiert. …
RC: Warum führt Ihre Organisation keine Friedensgespräche mit den Israelis?
GK: Sie meinen nicht wirklich Friedensgespräche. Sie meinen Kapitulation.
RC: Warum nicht einfach reden?
GK: Mit wem reden?
RC: Mit der israelischen Führung reden.
GK: Das wäre ein Gespräch zwischen dem Schwert und dem Hals.
RC: Nun, wenn weder Schwerter noch Gewehre im Raum sind, könnte man trotzdem reden.
GK: Nein, ich habe noch nie ein Gespräch zwischen Kolonialisten und einer nationalen Befreiungsbewegung erlebt.
RC: Aber trotzdem, warum nicht reden?
GK: Worüber reden?
RC: Über die Möglichkeit, nicht mehr zu kämpfen?
GK: Wofür nicht mehr kämpfen?
RC: Überhaupt nicht kämpfen, egal wofür.
GK: Ich meine … Menschen kämpfen normalerweise für etwas – und sie beenden den Kampf für etwas. Und Sie können mir nicht einmal sagen, warum wir darüber sprechen sollten? Worüber? Warum sollen wir über das Aufhören zu kämpfen sprechen?
RC: Sie sollten über das Aufhören zu kämpfen sprechen, um Tod und Elend, Zerstörung und Schmerz zu beenden.
GK: Wessen Elend, Zerstörung, Schmerz und Tod?
RC: Der Palästinenser, Israelis, Araber.
GK: Der Palästinenser, die entwurzelt, in Lager geworfen, hungernd leben, die seit 20 Jahren getötet werden und denen es verboten ist, sich auch nur als Palästinenser zu bezeichnen.
RC: Das ist doch immer noch besser als tot zu sein.
GK: In Ihren Augen vielleicht, aber nicht in unseren. Für uns ist die Befreiung unseres Landes, die Wahrung von Würde und Respekt sowie die Wahrung unserer Menschenrechte ebenso lebenswichtig wie das Leben selbst.«16
In diesem Dialog zwischen einem radikalen palästinensischen Aktivisten und einem westlichen Journalisten verdeutlicht Kanafani – ein Literat, der sich der Wortwahl und der Bedeutung von Worten ganz besonders bewusst ist – wie man mit jedem Satz, mit jedem Ausdruck, eine politische Position ausdrückt. Er zeigt, dass Carleton und er in zwei unterschiedlichen Sprachen über den Konflikt sprechen, von denen jede mit den jeweils eigenen Werten aufgeladen ist. Damit betreibt er keine Spitzfindigkeit oder Wortklauberei. Dieser Wortwechsel drückt aus, worum es im Nahostkonflikt geht, was das Wesentliche ist. Offensichtlich will Kanafani Carleton zu verstehen geben, dass Carletons Sprache ihm, Kanafani, Gewalt antut. Dass sie ihm nicht erlaubt, seine Geschichte, Gefühle, Gedanken, Werte und Ziele auszudrücken.
Aber niemandem steht eine neutrale Sprache über den Nahostkonflikt zur Verfügung. Weder Kanafani oder mir – als jemand, der im Nahen Osten lebt – noch Ihnen als Beobachter aus der Ferne in Deutschland. Ihre wie auch meine Sprache sind weder frei von Gefühlen noch wertneutral und unpolitisch. Es gibt keine »objektive« und emotionsfreie Darstellung der Orte, Entwicklungen, Machtverhältnisse und der Gewalt, die den Nahostkonflikt erfüllt. Unsere Gefühle prägen unsere Wahrnehmungen, Darstellungen und Deutungen – und umgekehrt.
Die Gefühle und Gedanken sowie die Versuche, in Worte zu fassen, was seit dem 7. Oktober 2023 um mich herum vorgeht, brachten mich dazu, Brutale Nachbarn zu schreiben. Das Schreiben über die Geschehnisse und das Nachdenken über den Konflikt minderten das Gefühl der Ohnmacht, das mich angesichts der Ereignisse überkam. Ich schrieb unter immer wieder anderen Umständen. Mal wartete ich auf Raketenangriffe, mal war ich entsetzt, zornig oder traurig wegen der Nachrichten oder wegen der Bilder, die ich sah, oder ich verzweifelte an den Geschehnissen.17
Zugleich stellte das Schreiben einen Akt der Distanzierung dar, einen Akt der Reflektion, der einsetzte, als ich mich fragte, was ich tue, wenn ich über den Nahostkonflikt schreibe – wie ich mich auch fragen muss, was ich tue, wenn ich mit Ihnen über die Beziehung von Sprache und Gewalt im Nahostkonflikt spreche. Bitte beachten Sie, ich rede davon, dass ich etwas tue, wenn ich rede. Wie schon eingangs erwähnt, rede ich von Sprache als einem Sprechen, einem Gespräch, einer sozialen Praxis. Philosophische Anknüpfungspunkte, auf die ich hier aber nicht näher eingehen kann, sind in diesem Zusammenhang Ludwig Wittgensteins Konzept des Sprachspiels, John Langshow Austins Vorlesungen zu »speech-acts« in seinem einflussreichen Buch How to do Things with Words (Zur Theorie der Sprechakte), wie auch Sybille Krämers Ausführungen zur Beziehung von Sprache und Gewalt.18
Aber genau so wie Sprechen eine Handlung ist, so haben Handlungen einen symbolischen Gehalt. Sie sagen etwas aus. Ein Beispiel: Im November 2023 wurde Ahed Tamimi im Westjordanland von Israel verhaftet. Tamimi ist eine junge palästinensische Frau aus dem Dorf Nabi Salih im Westjordanland, die im Anschluss an die Hamas-Attacke des 7. Oktober auf Instagram dazu aufgerufen haben soll, die Siedler im Westjordanland zu massakrieren. Das ist eine sprachliche Handlung. Nicht lange nach ihrer Verhaftung war sie wieder auf freiem Fuß. Sie wurde im Rahmen eines ersten Abkommens mit der Hamas zur Freilassung der israelischen Geiseln noch im November 2023 befreit. Tamimi ist eine politische Aktivistin und Influencerin, die seit Dezember 2017 prominent ist. Wie man auf einem viral gegangenen Videoclip sehen kann, ohrfeigte die damals 16-Jährige einen israelischen Soldaten, weil er ihren 15-jährigen Cousin mit einem Gummigeschoss am Kopf schwer verletzt hatte. Das war eine körperliche Handlung. Diese Ohrfeige kostete Tamimi einen hohen Preis: Sie verbrachte acht Monate in einem israelischen Militärgefängnis. Dank ihr wurde sie jedoch auch zu einem Medienstar – ihr (englisches) Buch über ihr Leben als Freiheitskämpferin, das mittlerweile erscheinen ist, trägt den Titel: »Sie nennen mich eine Löwin«.19
Es scheint, dass Tamimis Ohrfeige in den Medien ein außerordentliches Echo hervorrief, weil sie für viele eine begeisternde Seltenheit darstellt: Eine Palästinenserin aus dem Westjordanland demütigt einen bewaffneten Israeli. Die von ihr erteilte Ohrfeige widerspricht der Logik des Besatzungsregimes, das die permanente Demütigung der Palästinenser institutionalisiert hat. Sie demonstrierte die Wut, symbolisierte die Verachtung und Geringschätzung Tamimis gegenüber dem Soldaten. Auch wenn die Ohrfeige eine körperliche Handlung war, so zielte sie doch vor allem auf die symbolische Sphäre: Sie verletzte ja nicht so sehr den Körper des Soldaten, als seine soziale Position als Besatzer.20
Sie stellte eine Reaktion dar, auf die Machtlosigkeit, die seit knapp sechs Jahrzehnten Teil der palästinensischen Identität im Westjordanland geworden ist, die die Palästinenser täglich von Neuem an jedem Checkpoint und in jeder Kontrolle erfahren, in der ihre Identität überprüft wird.21 Die kafkaeske Undurchschaubarkeit des Besatzungsregimes und die Willkür, mit der das Westjordanland immer wieder anders in geografische Einheiten zerstückelt wird, die durch die Hunderte von Checkpoints voneinander getrennt und verbunden werden, verwandeln für Palästinenser auch das einfachste alltägliche Unterfangen in einen zutiefst demütigenden Spießrutenlauf.22 Es wundert also nicht, was der Verhaltensforscher Jeremy Ginges und der Kulturanthropologe Scott Atran herausgefunden haben: In ihrer im Westjordanland durchgeführten wissenschaftlichen Umfrage empfand die Hälfte der palästinensischen Befragten insbesondere das Anstehen an den Checkpoints als ganz besonders demütigend.23
Der herausragende palästinensische Poet Mahmoud Darwish hat dem Gefühl der Demütigung und der daraus entstehenden Wut in einem mit »Identitätskarte« betitelten Gedicht Ausdruck verliehen. Er schrieb es 1964, damals nahm er auf die Kontrollen Bezug, die Teil der Militärverwaltung innerhalb der Grenzen Israels waren, denen die israelischen Palästinenser bis 1966 unterstanden. Das Prinzip war das Gleiche. Das Gedicht beginnt:
»Schreib auf!
Ich bin Araber,
Ausweisnummer fünfzigtausend,
acht Kinder,
das neunte …es kommt nach dem Sommer!
Macht dich das zornig?«24
Das Gedicht endet:
»Schreib auf ... oben auf der ersten Seite:
Ich hasse die Menschen nicht
und herrsche über andre nicht,
aber ... wenn ich Hunger leide,
werd' ich das Fleisch meiner Peiniger essen.
Vorsicht … Vorsicht … vor meinem Hunger
und vor meinem Zorn!!«25
Darwish drückt Zorn aus, er droht. Er lässt sich nicht unterkriegen, zumindest nicht in diesem Gedicht. Doch dies entspricht nicht dem Alltag unter der israelischen Besatzung. Sie ist voller Demütigungen der Palästinenser.
In der westlichen Kultur werden gewalttätige Auseinandersetzungen dieser Art üblicherweise als Ausdruck des Ringens zwischen Licht und Finsternis, zwischen Gut und Böse dargestellt. Diese moralische Schwarz-Weiß-Schablone dominiert nicht nur die Bibel und klassische Heldenepen, sie strukturiert auch Narrative der populären Kultur, wie die Western, Science-Fiction-Romane und -Filme und die Krimis, mit denen wir aufgewachsen sind.
Doch im Gegensatz zu dieser Schwarzweißmalerei bedeutet die Tatsache, dass Israel die Palästinenser seit Jahrzehnten erbarmungslos unterdrückt und im letzten Jahr im Gazastreifen viele Zehntausende von unschuldigen Zivilisten getötet hat, darunter besonders viele Frauen und Kinder, nicht, dass die Hamas, die sich gegen diese Unterdrückung wehrt und Israel bekämpft, deshalb als Freiheitskämpfer angesehen werden kann. Die Hamas ist eine reaktionäre islamistische Organisation. Ihr autoritäres Regime unterjocht die Palästinenser Gazas schon seit Jahren und will sie weiterhin unter ihrem Knüppel halten. Sie bekämpft Israel nicht nur wegen der Besatzung und der Blockade Gazas, sondern weil sie aus einer fundamentalistisch-islamistischen Weltanschauung einem jüdischen Staat kein Existenzrecht zubilligt. In der Politik heißt die Tatsache, dass eine Kraft negativ ist, leider nicht, dass die ihr entgegengesetzte positiv ist – und im Unterschied zur Mathematik entsteht in der Politik auch aus zweimal Negativ kein Positiv.26
So verdecken und verheimlichen beide Sprachen der Gewalt entscheidende Momente der Gewalt im Nahen Osten, und die üblichen Spaltungssprachen der westlichen Kultur helfen uns nicht, diese zu beleuchten. Denn auch sie sind immer dem einen oder anderen Schema verpflichtet, die Erinnerungen und Assoziationen mit sich bringen.
Der 7. Oktober 2023 löste in der jüdischen Bevölkerung Israels nicht lokale, sondern bis nach Europa reichende Holocaust-Assoziationen aus. Ungewollt entspringen diese der kollektiven Erinnerung meiner wie auch jüngerer Generationen. Führende Politiker instrumentalisieren diese Assoziationen aber auch absichtlich, wie beispielsweise der ehemalige israelische Premierminister Naftali Bennett. In der ersten Kriegswoche konfrontierte Sky News Bennett in einem Interview mit der Feststellung, Inkubatoren in den Krankenhäusern das Gazastreifens könnten frühgeborene Babys nicht am Leben erhalten, weil Israel die Stromversorgung in den Gazastreifen unterbrochen hatte. Seine Antwort lautete: »Was ist los mit Ihnen? Fragen Sie mich ernsthaft nach palästinensischen Zivilisten? Haben Sie nicht gesehen, was passiert ist? Wir kämpfen gegen Nazis.«
Die politische Instrumentalisierung des Holocaust, die dazu dient, Untaten Israels im gegenwärtigen Krieg zu rechtfertigen, funktionierte im britischen Fernsehen nicht so besonders; sie nervte den Moderator. Aber in Israel findet sie Anklang, da die Erinnerung an den Holocaust Teil der heutigen jüdischen Identität ist. Weil emotionale und kognitive Verbindungen und Resonanzen des Holocaust unbewusst irgendwie und irgendwo in den Seelen vieler Juden angelegt sind, kann eine solche politische Instrumentalisierung daran andocken und Gewalt gegen Zivilisten rechtfertigen.27
Als zahlreiche führende westliche Politiker direkt nach dem 7. Oktober nach Israel gereist waren, echoten sie anfangs diesen in Israel üblichen Spaltungsdiskurs. Joe Biden, zu diesem Zeitpunkt noch Präsident der USA, sprach von der Hamas-Attacke als »einem Akt des rein Bösen«.28 Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, sagte: »Dieses uralte Übel erinnert uns an unsere dunkelste Vergangenheit und erschüttert uns im Kern unseres Daseins.« Sie erklärte: »Europa steht Israel zur Seite. […] Europa steht hinter seinem Freund und Partner.«29 Der französische Präsident Emmanuel Macron versprach Premierminister Netanjahu »vorbehaltlose Solidarität« mit Israel und schlug vor, eine internationale Koalition gegen die Hamas zu bilden, deren Bekämpfung für Israel »offensichtlich eine Existenzfrage ist. Aber es ist für uns alle eine Existenzfrage«.30 All diese Verlautbarungen waren Variationen auf ein bekanntes Thema: Der Angriff der Hamas stellt eine kriegerische Aggression dar, deshalb hat Israel das Recht, sich zu verteidigen und einen Krieg gegen die Hamas zu führen. Ein solcher Krieg ist ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen der westlichen Zivilisation und der Barbarei.
Zeitgleich mit diesem Spaltungsdiskurs der politischen Eliten des Westens brach sich in den kulturellen Eliten der westlichen Länder, vor allem auf den Universitätsgeländen, eine Kritik an Israel Bahn, die in dieser Form bis dahin nur in marginalen radikalen Gruppierungen existiert hatte. Künstler, Philosophen und Studierende reagierten auf die Hamas-Gräueltaten des 7. Oktober. Petitionen wurden verfasst. Manche davon erwähnten in ihrer Kritik an Israels Kriegführung die Untaten der Hamas mit keinem Wort.31 Andere erklärten sie entweder als legitime Reaktion auf die langjährige Unterdrückung der Palästinenser,32 oder sie bezeichneten Israel, und nur Israel, als »voll verantwortlich« für die Hamas-Attacke – wie es paradoxerweise über dreißig Studentenorganisationen der Universität Harvard nur wenige Tage nach der Hamas-Attacke in einer gemeinsamen Bekanntmachung taten.33
Auch diese Stellungnahmen verstanden den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern als lokale Speerspitze eines globalen, weltumspannenden Konflikts zwischen Gut und Böse: auf der einen Seite der Kolonialismus, auf der anderen die Kolonisierten. Beide Positionen, die der politischen und der kulturellen Eliten, waren außerordentlich simpel. Obwohl sie ideologisch gesehen Kontrahenten waren, haben sie ein wichtiges Merkmal gemeinsam: Sie spalten die Welt nach dem von Melanie Klein aufgezeigten Muster in absolut Gute und absolut Böse, wobei alles Gute bei »uns« und alles Böse bei »denen« liegt. Ein zweites Merkmal, das zeigt, dass es sich um einen Spaltungsdiskurs handelt, ist, dass die eigene Gewalt nicht oder nur kaum erwähnt wird, während die der anderen auf schlimmste Art benannt wird: wenn beispielsweise die Attacke der Hamas mit dem Holocaust in Verbindung gebracht wird und die Hamas-Kämpfer als Nazis bezeichnet werden oder die brutale Kriegsführung Israels im Gazastreifen als Genozid, das heißt als Völkermord, gebrandmarkt wird.
Schon in den ersten Tagen des Krieges bezichtigte Raz Segal, ein israelischer, seit mehreren Jahren in den USA lebender Holocaust-Historiker, Israel, in Gaza einen Genozid zu verüben.34 Diese Anschuldigung wiederholen seither weitere Genozid- und Holocaustforscher, darunter auch einige Israelis.35 Israel muss sich heute zudem gegen den Vorwurf Südafrikas vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag verteidigen, im Gazastreifen gegen die Völkermordkonvention der Vereinten Nationen verstoßen zu haben – eine Konvention, die 1948 aufgrund der Verbrechen beschlossen worden war, die Deutschland am jüdischen Volk verübt hatte. Im Sommer 2024 hat sich die Türkei der Klage Südafrikas angeschlossen. Noch hat der IGH keinen Entscheid gefällt, doch prüft er die Klage.36 Eine derartige akademische Debatte wie auch die Reaktion des IGH auf die Klage in Den Haag wären vor dem jetzigen Krieg undenkbar gewesen. Mittlerweile gibt es sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag unter dem Titel »Gaza Genocide«, dessen akribische Dokumentation auf über sechshundert Quellen Bezug nimmt.37
Für die Suche nach einem Weg aus dieser gewalttätigen Phase des Nahostkonflikts ist es meines Erachtens nicht hilfreich, Israel als genozidalen Staat zu bezeichnen und die Hamas als Nachfahren der Nazis. Weder mit Nazis noch mit genozidalen Regierungen schließt man Frieden. Man besiegt sie. Was mich zum dritten Merkmal bringt, das darauf hinweist, dass wir es bei der Suche nach verdammenden Etiketten nicht so sehr mit tiefgreifenden historischen oder philosophischen Einsichten als vielmehr mit emotional befriedigenden Spaltungsdiskursen zu tun haben: Wenn die jeweils »anderen« grundböse sind, kann Versöhnung nicht erwogen und auch nicht als Ziel angepeilt werden. Von Konfliktlösung, Koexistenz oder Kompromiss kann nicht die Rede sein, wenn es um das absolut Böse und das absolut Gute geht. Stattdessen spricht der postkoloniale Diskurs von der »Befreiung« von der israelischen Herrschaft – und der israelische Diskurs von der »Vernichtung« der Hamas. In diesen Diskursen müssen die jeweils anderen auf die eine oder andere Art zur Machtlosigkeit reduziert werden, damit sie ihre bösen Machenschaften nicht weiterführen oder wieder aufnehmen können.
Warum sind solch undifferenzierte Sichtweisen so erfolgreich? Warum wird so intensiv nach eindeutigen Etiketten gesucht, die man komplexen Ereignissen anhängen kann? Simple Etiketten liefern ein klares Schema, das uns erlaubt, komplexe Sachlagen einfach zu benennen und umfassend zu erklären. Sie ermöglichen es, Handlungen und Akteure eindeutig zu bewerten. Sie eröffnen uns die Möglichkeit, uns mit einer Seite zu identifizieren und ihr uneingeschränkte Solidarität zu bezeugen, was unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit erfüllt, uns ein Gefühl der Stärke vermittelt und uns in die Lage versetzt, die Untaten der anderen durch »naming and shaming« möglichst heftig anzuprangern.38
Eine derartige emotionale Aufladung der Sprache, die sich in der Suche nach möglichst extremen Ausdruckweisen manifestiert, ist einerseits das Resultat einer emotionalen und moralischen Reaktion auf die Grausamkeit der jetzigen Stufe des Nahostkonflikts. Andererseits entspricht sie dem Versuch, nur eine Form von Gewalt zu beleuchten, nur eine Gruppe von Tätern anzuprangern. Solche Apelle sind auch immer stark emotional aufgeladen, weil sie stets einen Teil der Realität unterdrücken, ausschließen, verdrängen müssen, um sich zu legitimieren, um ein Schwarz-weiß-Schema aufrechtzuerhalten, um nicht nur auf Gewalt und Grausamkeit hinzuweisen, sondern auch das Publikum – soweit es geht – für andere Formen blind zu machen.
Das Ziel von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, die Ende 2024 einen Bericht veröffentlichte, laut dem Israel in Gaza einen Genozid begeht, ist zweifellos, Israel dazu zu bringen, Menschenrechtsnormen zu respektieren.39 Doch in einer vielfach preisgekrönten Studie hat die Politologin Rochelle Terman von der University of Chicago gezeigt, dass »naming and shaming« normalerweise nicht dazu führt, dass die angeprangerten Länder sich den internationalen Normen fügen, deren Verletzung ihnen vorgeworfen wird. Vielmehr löst es eine Gegenreaktion aus.40 Die angeprangerten politischen Führer benutzen solche Konstellationen, um Stärke zu zeigen. Sie profilieren sich vor ihren Anhängern, vor den Wählern und der allgemeinen Bevölkerung als Staatsmänner, die sich durch Druck von außen, vor allem wenn er von internationalen Institutionen oder Ländern kommt, die ohnehin als unfreundlich eingestuft werden, nicht einschüchtern lassen.
Mit anderen Worten: Während die Praxis des »naming and shaming« für die, die sie ausüben, psychologisch befriedigend sein kann, hilft sie nicht, zu einer weniger gewalttätigen Dynamik zu gelangen, und trägt nicht zu einem tieferen Verständnis des Nahostkonflikts bei. Statt neue Kommunikationskanäle zwischen beiden Seiten zu eröffnen, erhärtet sie einen psychologisch-politischen Teufelskreis, der das Geschehen im Nahen Osten bestimmt.
Vor allem aber weisen verdammende Labels nicht auf Möglichkeiten des Friedens oder der Koexistenz hin, sondern verheißen, wie gesagt, eine »Befreiung« vom israelischen Kolonialismus oder die »Zerstörung« der Hamas. Statt Schlagwörter zu stiften, die implizieren, dass die eine oder andere Seite irgendwie verschwindet, ist es aber notwendig, über Wege nachzudenken, die es beiden Seiten erlauben können, sich anzunähern und zu einer Lösung oder zumindest zu einer signifikanten Deeskalierung des Konflikts zu kommen. Gerade in Zeiten des Trumpschen »Deals«, der offensichtlich die Notwendigkeit, offene Dialoge zu führen, um zu Kompromissen zu gelangen, ablösen soll, muss jenseits von Spaltungen gedacht werden. Komplexere, realistischere Sichtweisen auf alle Konfliktparteien sind notwendig, um Raum zu schaffen für Vereinbarungen, Kooperationen, Allianzen, Abkommen, gegenseitige Anerkennung – und vielleicht sogar für Frieden, ein Wort, das schon seit einiger Zeit veraltet wirkt.41
Auch stark emotional gefärbte nationale historische Narrative verfolgen dieses Ziel. Weder jüdisch-israelische noch palästinensisch-arabische Narrative versuchen zu beschreiben, »wie es eigentlich gewesen« war, um mit Leopold von Ranke, einem der Begründer der deutschen Geschichtswissenschaft, zu sprechen. Sie bieten vielmehr Ursprungsmythen, die Politiker beider Seiten als Projektionsfläche benutzten, um ein ihnen dienliches Verständnis der Gegenwart in die Vergangenheit zurückzuprojizieren, historisch zu verankern und moralisch zu rechtfertigen.
So negiert die palästinensische politische Führung immer wieder, dass es je einen jüdischen Tempel in Jerusalem gegeben habe.42 Dies taten zum Beispiel auch Yasser Arafat und Mahmud Abbas, der Präsident der Palästinensischen Nationalbehörde. Vor einem Jahrzehnt ging Scheich Muhammad Ahmad Hussein, der im Juli 2006 von Mahmud Abbas ernannte Großmufti von Jerusalem, einen Schritt weiter. In einem Interview im israelischen Fernsehen erklärte er – als geistliches Oberhaupt der Al-Aksa-Moschee – nicht nur, dass nie ein jüdischer Tempel auf dem Hügel gestanden habe, den die Juden als Tempelberg ansehen. Er ließ sein Publikum auch wissen, dass die Al-Aksa-Moschee schon »seit der Erschaffung der Welt« dort stehe.43
Auf ähnliche Weise bestreiten offizielle israelische Sprecher die Existenz eines palästinensischen Volkes. Bis heute wiederholen führende israelische Politiker die Behauptung von Golda Meir, es gäbe kein palästinensisches Volk, auf der sie beharrte, als sie Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre israelische Premierministerin war.44 So verkündete Bezalel Smotrich, der jetzige israelische Finanzminister, im März 2023, anlässlich der Gedenkfeier für einen verstorbenen rechtsextremen französisch-israelischen Aktivisten: »Die Wahrheit muss mit aller Stärke und ohne Verwirrung gesagt werden: […] es gibt keine Palästinenser, weil es kein palästinensisches Volk gibt. […] Wer war der erste palästinensische König? Welche Sprache haben die Palästinenser? Gab es jemals eine palästinensische Währung? Gibt es eine palästinensische Geschichte oder Kultur? Es gibt keine.«45 Diese – eine palästinensische Geschichte und Identität verneinenden – Worte äußerte Smotrich von einem Podium, auf dem eine Karte das ganze britische Mandatsgebiet inklusive des heutigen Jordaniens als jüdischen Staat darstellte.46
In all diesen Sprechakten wird symbolische Gewalt ausgeübt. Denn, in Anlehnung an die Arbeiten der Philosoph:innen Steffen Kitty Hermann, Sybille Krämer und Stephan Kuch möchte ich betonen, dass Gewalt nicht nur die Verletzung des Körpers eines Menschen durch einen anderen Körper inkludiert. Wie Hermann und Kuch unterstreichen:
»Obwohl es scheint, dass Sprache keine Gewalt zufügen kann, weil sie lediglich ›symbolisch‹ ist, kann Sprache verletzen – nicht obwohl, sondern gerade, weil sie symbolisch ist. Sprachliche Gewalt zielt gerade nicht auf die Schädigung der materiellen Existenz einer Person, sondern auf ihr symbolisches Leben. Und in dieser Sphäre ist sprachliche Gewalt, die durch Worte ausgeübt wird, nicht weniger ›real‹ oder ›effektiv‹ als physische Gewalt.«47
Dieser Punkt ist wichtig. Sprachliche Gewalt kann degradierend, herabsetzend, demütigend sein. Damit trifft sie Menschen in ihrem Inneren. Wir kennen das vom Mobbing. Wenn Sprache – im Sinne von Äußerungen und Sprechakten zur Geschichte der oder des anderen – der anderen Person Anerkennung verweigert, dann hat sie zum Ziel, diese Person zu verletzten, zu erschüttern. Auch in diesem Sinn wirkt die Magie der Sprache, von der Freud schrieb, im Inneren der Betroffenen, auf Individuen wie auch auf Kollektive.
Angesichts der symbolischen und psychologischen wie auch der physischen Gewalt und Grausamkeit lassen sich die brutalen Nachbarn des Nahostkonflikts, die sich weigern, die jeweils anderen als legitime Nachbarn zu akzeptieren, dennoch nicht auf Täter und Opfer, auf Gute und Böse reduzieren. Sie sind vielmehr Menschen in einem nationalen Konflikt, und sie kämpfen um Existenz, Identität, Sicherheit, Souveränität, Macht, Rechte und Territorium. Sie beide wenden Gewalt an und jede Nachbarnation begeht Kriegsverbrechen an der anderen – wenn auch Israel mit seiner mächtigen Armee dies in einem weitaus größeren Maßstab tut.
Meine Bitte an Sie ist: Versuchen sie nicht, die Sprache zum Nahostkonflikt zu entladen, das heißt, zu ent-emotionalisieren. Das kann nicht gelingen. Doch kann man über die Emotionalisierung der Sprache zum Nahostkonflikt reflektieren, wenn auch nur in einer Sprache, die auch emotional geladen ist. Reflexion schafft etwas Distanz, eine Distanz, die erlaubt, sich die Freiheit zu nehmen, aus der Spaltung, die den Debatten zum Nahostkonflikt zugrunde liegt, herauszutreten. Erlauben Sie sich, nicht nur kritisch den Themen und Argumenten zuzuhören, die die Debatten immer eindimensionaler werden lassen, sondern auch aufmerksam zu untersuchen, wie formuliert wird und was zur Sprache kommt. So wird möglicherweise auch hörbar, was eben nicht zur Sprache kommt oder nicht zu Sprache kommen darf – was ja die klassische Aufgabe der Psychoanalyse ist.
Quellen und Zitate
1 Freud, S. (1890a): Psychische Behandlung (Seelenbehandlung). Gesammelte Werke (GW), Frankfurt 1999, V: S. 301 f.
2 Freud, S. (1916-17a): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. GW XI: 10. Siehe auch Freud, S. (1926e): Die Frage der Laienanalyse. GW XIV: S. 214.
3 Peter Beaumont: Netanyahu plans fence around Israel to protect it from 'wild beasts’, in: Guardian, 10.2.2016, www.theguardian.com/world/2016/feb/10/netanyahu-plans-fence-around-israel-to-protect-it-from-wild-beasts (Übersetzung J.B.).
4 José Brunner: Brutale Nachbarn. Wie Emotionen den Nahostkonflikt antreiben – und entschärfen können, Berlin 2025, © Ullstein Buchverlage GmbH. Ich danke dem Ullstein Verlag für die freundliche Genehmigung, die im Folgenden zitierten Passagen aus diesem Buch abzudrucken.
5 United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs: Reported impact snapshot -Gaza Strip, 14.1.2025, https://www.ochaopt.org/content/reported-impact-snapshot-gaza-strip-14-january-2025.
6 Nadera Shalhoub-Kevorkian: Incarcerated Childhood and the Politics of Unchilding, Cambridge 2019.
7 Brutale Nachbarn, S. 126 f. Raija-Leena Punamäki: Psychological stress responses of Palestinian mothers and their children in conditions of military occupation and political violence, in: Q Newsletter Lab Comp Human Cognition, 1987, 9(2), S. 76–84, https://lchc.ucsd.edu/Histarch/ap87v9n2.PDF#page=24.
8 IDF official admits »extensive collateral damage« in Gaza camp strike, in: BBC, 28.12.2023, www.bbc.com/news/live/world-middle-east-67831997; Sanjanah Karanth: Netanyahu Calls Palestinians »Collateral Damage« as Israel Destroys Gaza, in: Huffington Post, 13.11.2023, https://www.huffingtonpost.co.uk/entry/netanyahu-calls-palestinians-collateral-damage-as-israel-destroys-gaza_uk_65520efce4b0373d70b2fa2e.
9 Siehe z. B. David Ingram: Israeli government sparks outcry with X videos saying 'there are no innocent civilians' in Gaza, in: NBC News, 14.6.2024, www.nbcnews.com/tech/social-media/israel-posts-video-saying-are-no-innocent-civilians-gaza-rcna157111; War on Gaza. Israeli MP says 'no innocents' in Gaza and it should be 'burned now', in: Middle East Eye, 10.1.2024, www.middleeasteye.net/news/israel-mp-no-innocents-gaza-should-burn-now; Yaniv Kubovich: 'No Civilians. Everyone's a Terrorist'. IDF Soldiers Expose Arbitrary Killings and Rampant Lawlessness in Gaza's Netzarim Corridor, in: Haaretz, 18.12.2024, https://www.haaretz.com/israel-news/2024-12-18/ty-article-magazine/.premium/idf-soldiers-expose-arbitrary-killings-and-rampant-lawlessness-in-gazas-netzarim-corridor/00000193-da7f-de86-a9f3-fefff2e50000.
10 Brutale Nachbarn, S. 10 f.
11 Martha Nussbaum: Emotions as Judgments of Value and Importance, in: Robert C. Solomon (Hrsg.): Thinking about Feeling. Contemporary Philosophers on Emotions, New York 2004, S. 183–199, eclass.uoa.gr/modules/document/file.php/PHS384/Thinking%20about%20Feeling_%20Contemporary%20Philosophers%20on%20Emotions.pdf.
12 Brutale Nachbarn, S. 12 f.
13 Vgl. Brutale Nachbarn, S. 19 f; Martha Nussbaum: Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 183 ff.
14 Brutale Nachbarn, S. 18 f.
15 Siehe etwa: https://www.deutschlandfunkkultur.de/ghassan-kanafani-palaestina-100.html.
16 Loubna Qutami, Omar Zahzah: The War of Words: Language as an Instrument of Palestinian National Struggle, in: Arab Studies Quarterly, 42 (1-2), S. 66–90, DOI: 10.13169/arabstudquar.42.1-2.0066 (Übersetzung J.B.).
17 Brutale Nachbarn, S. 20 f.
18 Ludwig Wittgenstein: Philosophischen Untersuchungen (1953), Berlin 2003; John Langshaw Austin, How to Do Things with Words. The William James Lectures, Oxford 1962; Sybille Krämer:
Sprache als Gewalt oder: Warum verletzen Worte?, in: Steffen K. Herrmann, Sybille Krämer, Hannes Kuch (Hg.): Verletzende Worte. Die Grammatik sprachlicher Missachtung, Bielefeld 2007, S. 31–48; Sybille Krämer: Gewalt der Sprache – Sprache der Gewalt, Tübingen 2005, http://dx.doi.org/10.15496/publikation-5633.
19 Ahed Tamimi, Dena Takruri: They Called Me a Lioness. A Palestinian Girl's Fight for Freedom, New York 2022.
20 Hannes Kuch, Steffen Kitty Herrmann: Symbolische Verletzbarkeit und sprachliche Gewalt, in: Herrmann, Krämer, Kuch (Hg.): Verletzende Worte, S. 180.
21 Rashid Khalidi: Palestinian Identity. The Construction of Modern National Consciousness, New York 2010, S. 1.
22 Saree Makdisi: Palestine Inside Out; Eyal Weizman: Hollow Land. Israel's Architecture of Occupation, New York 2007.
23 Brutale Nachbarn, 212 f. Jeremy Ginges, Scott Atran: Humiliation and the Inertia Effect. Implications for Understanding Violence and Compromise in Intractable Intergroup Conflicts, in: Journal of Cognition and Culture, 2008, 8(3–4), S. 281–294, hier S. 285, http://dx.doi.org/10.1163/156853708X358182.
24 Siehe www.twn.my/title2/resurgence/2016/310-311/poetry1.htm (Übersetzung J.B.).
25 Ebd. (Übersetzung J.B.).
26 Brutale Nachbarn, S. 293.
27 Siehe Brutale Nachbarn, S. 139; das Interview findet sich hier: »We're fighting Nazis«: Former Israeli prime minister defends cutting off energy to Gaza, in: StripSky News, 12.10.2023, news.sky.com/video/were-fighting-nazis-former-israeli-prime-minister-defends-cutting-off-energy-to-gaza-strip-12983288 (Übersetzung J.B.).
28 Peter Baker: In Unforgiving Terms, Biden Condemns »Evil« and »Abhorrent« Attack on Israel, in: New York Times, 10.10.2023, https://www.nytimes.com/2023/10/10/us/politics/biden-israel-hamas.html.
29 Europäische Kommission, 11.10.2023, »Präsidentin von der Leyen zu Terroranschlägen in Israel: Europa steht Israel zur Seite«, https://germany.representation.ec.europa.eu/news/prasidentin-von-der-leyen-zu-terroranschlagen-israel-europa-steht-israel-zur-seite-2023-10-11_de.
30 Ministry for Foreign Affairs »PM Netanyahu meets with French President Emmanuel Macron«, 24.10.2023, https://www.gov.il/en/pages/pm-netanyahu-meets-with-french-president-emmanuel-macron-24-oct-2023.
31 An open letter from the art community to cultural organizations, in: Artforum, 19.10.2023,
https://www.artforum.com/columns/open-letter-art-community-cultural-organizations-518019/.
32 »Philosophy for Palestine«, 1.11.2023, sites.google.com/view/philosophyforpalestine/home; siehe auch die eindrückliche Antwort von Seyla Benhabib, »An Open Letter To My Friends Who Signed >Philosophy for Palestine<«, 4.11.2023, https://medium.com/amor-mundi/an-open-letter-to-my-friends-who-signed-philosophy-for-palestine-0440ebd665d8.
33 Joint Statement by Harvard Palestine Solidarity Groups on the Situation in Palestine, The Harvard Crimson, 10.10.2023, www.thecrimson.com/widget/2023/10/10/psc-statement/ (Übersetzung J.B.).
34 Raz Segal: A Textbook Case of Genocide, in: Jewish Currents, 13.10.2023, https://jewishcurrents.org/a-textbook-case-of-genocide.
35 Omer Bartov: What I Believe as a Historian of Genocide, in: New York Times, 10.11.2023, www.nytimes.com/2023/11/10/opinion/israel-gaza-genocide-war.html; ders.: As a former IDF soldier and historian of genocide, I was deeply disturbed by my recent visit to Israel, in: The Guardian, 13.8.2024, www.theguardian.com/world/article/2024/aug/13/israel-gaza-historian-omer-bartov; Elias Feroz, Israeli Historian: This Is Exactly What Genocide Looks Like: An Interview with Amos Goldberg, in: Jacobin, 7.11.2024, https://jacobin.com/2024/07/amos-goldberg-genocide-gaza-israel.
36 Siehe etwa Amnesty International: Hintergrund: Südafrikas Völkermord-Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof, https://www.amnesty.de/aktuell/israel-internationaler-gerichtshof-voelkermord-klage-hintergrundinformationen?utm_source=chatgpt.com.
37 Brutale Nachbarn, S. 219 ff, hier S. 221, siehe der Eintrag »Gaza Genocide«, https://en.wikipedia.org/wiki/Gaza_genocide.
38 Brutale Nachbarn, S. 222 f.
39 Siehe Amnesty International: Amnesty International investigation concludes Israel is committing genocide against Palestinians in Gaza, 5.12.2024, https://www.amnesty.org/en/latest/news/2024/12/amnesty-international-concludes-israel-is-committing-genocide-against-palestinians-in-gaza/
40 Rochelle Terman: The Geopolitics of Shaming: When Human Rights Pressure Works – and when it Backfires, Princeton/Oxford 2023.
41 Brutale Nachbarn, S. 223 f.
42 Dore Gold: Abbas’ Temple Denial, https://jcfa.org/article/abbas-temple-denial/.
43 Brutale Nachbarn, S. 251; Ilan Ben Zion: Jerusalem Mufti. Temple Mount never housed Jewish Temple, in: The Times of Israel, 25.10.2015, https://www.timesofisrael.com/jerusalem-mufti-denies-temple-mount-ever-housed-jewish-shrine/.
44 Einen guten Einblick gibt der entsprechende Eintrag in Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/There_was_no_such_thing_as_Palestinians.
45 Smotrich denies existence of Palestinians in Paris speech, in: Jewish Chronicle, 19.3.2023, www.thejc.com/news/world/smotrich-denies-existence-of-palestinians-in-paris-speech-x9vxoch4. (Übersetzung J.B.).
46 Ebda; Brutale Nachbarn, S. 250 f.
47 Hannes Kuch und Steffen K. Herrmann. Symbolische Verletzbarkeit und sprachliche Gewalt, S. 179; siehe auch: Sybille Krämer und Elke Koch (Hg.): Gewalt in der Sprache. Rhetoriken verletzenden Sprechens. Berlin 2010.