Ein Buchessay: 70 Varianten Psychoanalytiker zu werden und zu sein

Ein Buchessay: 70 Varianten Psychoanalytiker zu werden und zu sein - eine 13-bändige Buchreihe, herausgegeben von Ludger M. Hermanns (Psychoanalyse in Selbstdarstellungen. Bände 1 – IV edition diskord, 1992 – 1998, Bände V – XIII Brandes & Apsel, 2007 – 2021.)

Rezensentin: Caroline Neubaur

In Brechts Gedicht „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“ heißt es:
„Aber rühmen wir nicht nur den Weisen/ Dessen Name auf dem Buche prangt!/ Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen./ Darum sei der Zöllner auch bedankt:/ Er hat sie ihm abverlangt.

Das 13-bändige Opus „Psychoanalyse in Selbstdarstellungen“ würde nicht existieren ohne den „Zöllner“ Ludger Hermanns, der 70 „Weisen“ ihre Weisheit entrissen hat, nämlich ihren Lebenslauf mit dem Fokus auf den Beruf des Psychoanalytikers zu verfassen, in eine ebenso prägnante wie offene Formel gefasst „die lebendige Transformation eines Schicksals in analytisches Können“. Im Vorwort zum 1. Band breitet Hermanns diese Idee aus und sie hat bis jetzt für alle 13 Bände getragen. Gemessen an diesem Anspruch fallen allerdings doch einige Beiträge deutlich ab. Nicht alle bringen das auf, was Hermanns mit Freud fordert: Mut, der zur kritischen Konfrontation mit sich selbst und mit seiner Umwelt nötig sei. Hermanns Verdienst ist nicht zu unterschätzen, denn eine „Selbstdarstellung“ ist von zahlreichen Warnglöckchen umstellt. Der Pianist Alfred Brendel sagte schlankweg, er schreibe keine Autobiographie, weil er nicht lügen wolle, freudianischer geht’s nicht. Freud selbst hat sich nämlich unverblümt geäußert: „Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge, zur Verheimlichung, Heuchelei, Schönfärberei und selbst zur Verhehlung seines Unverständnisses, denn die biographische Wahrheit ist nicht zu haben, und wenn man sie hätte, wäre sie nicht zu brauchen.“ (Brief an Arnold Zweig) Gemach, möchte man bei aller Verehrung für den großen Mann doch einwerfen. Fast keine der Selbstdarstellungen kann man so kategorisch abtun, ungeachtet gelegentlicher kleiner Schönfärbereien, die bei der Selbsterkenntnis, soll sie nicht in Masochismus kippen, fast unvermeidlich sind. Neulich hieß es in der FAZ anlässlich eines Sammelbands „Die deutschsprachige Strafrechtswissenschaft in Selbstdarstellungen“: „Bisweilen schlägt die unvermeidbare Distanzlosigkeit des Selbstporträts in eine unangenehme Autoerotik des prallen Schriftverzeichnisses um... “ Spuren solcher „Autoerotik“ finden sich vor allem in den ersten Bänden, wo der Verlag dem Ausufern bibliografischer Angaben nicht Halt gebot. Solche Registerarien, die bei schreibenden Menschen Usus sind, sind für lesende einfach nur langweilig. Man wüsste gern, wie viele Absagen Hermanns bekommen hat, erstaunlicher freilich ist, wie viele nach einigem Hin und Her sich zum Schreiben entschlossen haben. Durch die Berufsperspektive und nur durch sie werden die Selbstdarstellungen vor dem Sturz in einen narzisstischen Abgrund bewahrt und zu einem großen Lesevergnügen; auch Personen, die sich nicht brennend für Psychoanalyse interessieren, dürften sich von diesem Sog gefangen nehmen lassen. Viele gehen sehr weit in ihrer Ehrlichkeit den eigenen Motiven gegenüber. Andere, die wenigsten, verbergen sich hinter ihren im Laufe des beruflichen Lebenslaufes erreichten Funktionärsämtern oder reden über die falschen Theorien der Kollegen. Es gibt literarisch geschickte Darstellungen, z. B. die von Hans Keilson, der sie allerdings durch zu viel Eitelkeit etwas kontaminiert, und unbeholfene, die durch ihre Offenheit für sich einnehmen, unglaublich sympathische wie die von Lajos Sezékely, der gar nicht erst versucht, Stürme und unglückliche Perioden in der Familie zu rationalisieren, sondern sie schlicht als „Lajos made“ bezeichnet. Unerheblich sind die Beiträge derjenigen, die in das „diplomatische Corps“ der psychoanalytischen Organisationen eingetreten und somit Beamte des Systems geworden sind. Unsympathisch war mir in ihrer Kälte und Kraft der Verleugnung nur der Beitrag von Edeltrud Meistermnn-Seeger – für einen Romancier allerdings das richtige Kaliber. Diejenigen wiederum, die von Psychoanalytikern Voyeuristisches erwarten, dürften enttäuscht werden. Oder eben auch nicht, auch sie könnten den Voyeurismus in Erkenntnisinteresse transformieren und darüber staunen, wie vielfältig die Wege sind, die zum Beruf des Psychoanalytikers führen.

Leider muss man wohl sagen, wie vielfältig sie waren. Denn heute sieht es, zumindest offiziell, trostlos aus, u. a. dank des Psychotherapeuten-Gesetzes, eines der letzten „Geschenke“ von Jens Spahn. Kein wirklicher Grund zur Beunruhigung.  Die Zeiten, in denen die Psychoanalyse im Aufwind stand, die 70er und 80er-Jahre, sind vorbei. Aber ob die Psychoanalyse in ist oder out, das ändert nichts daran, dass sie ein paar ewige Wahrheiten über den Menschen herausgefunden hat, die nicht rückgängig zu machen sind. So wie Jesus' Wahrheiten bleiben, auch wenn die Kirche sie fast zerstört hat. Die Menschen werden nicht so dumm sein, diese Erkenntnisse für immer in den Orkus zu schießen. Egal, wie die jeweilige "Kirche" dann aussieht.

Für die Teilnahme schrieb Hermanns den Autoren das Mindestalter von 75 vor (eine Ausnahme bestätigt die Regel). Das ist für einen sich selbst erforschenden Rückblick sinnvoll. Und was die Praxis betrifft sind 10.000 Stunden Erfahrung einfach mehr als 1000. Manches hat sich dann auch relativiert, vor allem natürlich die Fragen der Berufspolitik, die mit der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung zusammenhängen, die so etwas wie der Vatikan für die Kirche ist und daher für den Geist der Psychoanalyse und den Geist psychoanalytischer Identität unerheblich. Allerdings muss man konstatieren, dass Freud auch in Sachen Organisation ein Genie der Weitsicht war: Ohne die Organisation der IPV würde es die Psychoanalyse vermutlich nicht mehr geben. Lacan setzte sich über die Dialektik von Organisation und Selbstermächtigung hinweg, mit dem Ergebnis, dass seine Impulse nicht mehr systematisiert sind, in Individuen verpuffen oder sich beliebig mal hier mal da nachweisen lassen.

Der Leser wird bei der Lektüre vermutlich checken, zu wem er gern in Analyse gegangen wäre. Dafür eignen sich am ehesten diejenigen, die einfühlsam mit sich und dem Leser umgehen. In dieser Hinsicht sind die Beiträge von Berna, Eicke-Spengler, Oliner, Annemarie Sandler und Beland sehr anschaulich und nachvollziehbar. Wer dieses Genre gar nicht bedient, wird kaum zum Objekt einer Übertragung werden. Im letzten Band bekennt sich Michael Ermann zu seiner Homosexualität – keine Selbstverständlichkeit in einer Gesellschaft, die lange Zeit in dieser Hinsicht den Fußballvereinen vergleichbar war in ihrer Tabuisierung der Homosexualität. Verrückt die Nachrichten aus den 50er-Jahren. Von dem bekannten Psychiater Ernst Kretschmer ging das Gerücht, er habe jedem mit Hinauswurf gedroht, der es wagte, sich einer Psychoanalyse zu unterziehen. So herrlich weit haben wir es heute allerdings auch nicht gebracht, das Rausmobben aus einer psychoanalytischen Karriere wird heute an Kliniken „eleganter“ bewerkstelligt, mit weniger Furor, cooler und indifferenter, aber nicht weniger effektiv.

Sehr anrührend ist das Schicksal von Peter Dettmering, der ausgezeichnete psychoanalytische Literatur und Filmanalysen verfasst hat, nicht als l’art pour l’art, sondern immer auf seine eigenen Lebensunglücke sowie seine Erfahrungen im sozialpsychiatrischen Dienst bezogen (seine Publikation über das sogenannte Vermüllungssyndrom soll weltweit die erste Arbeit über das Phänomen sein, das heute als Messie-Syndrom läuft). Er schaffte die ordentliche Mitgliedschaft nicht, „nur“ die affiliierte (obwohl, wie Emanuel Berman schreibt, „kein Mensch genau die Kriterien benennen konnte, was es bedeutet, ein ordentliches Mitglied zu werden, anstatt ein assoziiertes zu sein“). So oft Dettmering psychoanalytische Tagungen besuchte, ließen die lieben Kollegen es sich nicht nehmen, ihn auf seine affiliierte Mitgliedschaft anzusprechen. „Es ging mir wie Dostojewskis Dolgoruki in „Der Jüngling,“ der nicht auf seinen Namen angesprochen werden möchte, weil es in seinem Fall kein Adelstitel ist.“

Sein tristes Institutsleben fand dann doch noch ein Happy End, Kollegen retteten ihn aus seinem Abseits, und er schließt seinen Bericht mit der soziologischen Erkenntnis: „Ohne Zugehörigkeitsgefühl lässt sich nur schwer leben.“

Wunderbar der Beitrag von Emanuel Berman, dessen Eltern am Warschauer Ghetto-Aufstand beteiligt waren. Er sieht das Wort Holocaust wegen seiner pseudospirituellen Bedeutung als Ausdruck der Verleugnung an und konnte sich auch nicht mit der Bezeichnung „zweite Generation“ identifizieren, weil diese Definition die Vorstellung von den Überlebenden der Shoah als hilflose Opfer verstärke. Durch die Erfahrung des Stalinismus sei er für sein ganzes Leben gegen Utopien, dogmatische Behauptungen, autoritäre Praktiken und gegen die Selbstidealisierung von Bewegungen und Organisationen geimpft. Für ihn steht im Zentrum die Frage: Wer war wessen Patient? Wer war wessen Schüler? Ein interessanter Gesichtspunkt, der soweit ich sehe, nur in zwei Fächern dominiert: in der Psychoanalyse und in der Musik. Pianisten- oder Geigen-Azubis können nur durch individuelle Lehrer und später durch Meisterkurse weiterentwickelt werden. Bermans Ansicht nach zählt die Persönlichkeit mehr als die Theorie. Wahrscheinlich wird kein Lehranalytiker leugnen, dass es ohne eine spezifische Begabung nicht möglich ist, Analysen durchzuführen.

Warum ihre Geschichten so fesseln? Weil unverfügbare Individuen über unverfügbare Individuen berichten, und – und das verbindet alle – weil alle die Einsicht teilen, dass menschliches Handeln verstehbar und, wenn dessen Basis pervertiert ist, reparaturbedürftig und heilbar ist. Dieses Ideal verbindet sie mit den Heilungsgeschichten des Neuen Testaments. Jesus erkannte in den ihm begegnenden psychisch Kranken ihre Befangenheit in dem psychopathologischen Zustand der Zeit. Sein Ansatz ist eine Verlängerung der Tradition der Thorah. Die Psychoanalyse bleibt in dieser Hinsicht eine jüdische Wissenschaft, und als solche nimmt sie, wie die Tradition der Thorah, keinen ontologischen Unterschied zwischen dem Individuum und der Gesellschaft an. Der Kranke soll von seiner individualistischen Verblendung (Verschwörungstheoretiker) in die Wiederherstellung eines integren Status der Gesellschaft – ihrerseits immer Utopie – eingegliedert werden.

Die überwiegende Anzahl der Autoren haben die Tatze des Wolfs nicht für die Mutter gehalten (siehe: Der Wolf und die sieben Geißlein), sie sind durch die Erkenntnis der Greuel des 20. Jahrhunderts gezeichnet. In den frühen Bänden vor allem jüdische Emigranten, später Deutsche der zweiten Generation, die durch ihre Familiengeschichte und unsere nationale Geschichte traumatisiert waren.

In mancherlei Hinsicht, besonders aber in der der Vergangenheitsbearbeitung ist der Beitrag von Hermann Beland herausragend. Mit schonungsloser Ehrlichkeit sich selbst gegenüber stellt er sich dem Schicksal, eine Nazimutter gehabt zu haben, sieht dann jedoch ein, sich von diesem Schicksal auch wieder lösen zu müssen, da die ausländischen Kollegen wollten „dass er lebe“. Diese Erfahrung hat dann zu den sog. Nazareth-Konferenzen geführt, die mit Hilfe israelischer Kollegen entwickelt wurden. Auf ihnen sollten in Gruppenprozessen die „unbewussten Überzeugungen und Gefühle der deutschen und der jüdischen Kollegen in ihrer je entgegengesetzten Beteiligung am Holocaust“ erlebbar gemacht und erforscht werden.

Die gesammelten Selbstdarstellungen sollten für alle Kandidaten, die Psychoanalytiker werden wollen, Pflichtlektüre sein – nein, hässliches Wort und hässliche Vorstellung, also besser „Lustlektüre“, denn sie finden dort einfach alles, was Psychoanalyse ausmacht, ihre historische Vergangenheit mit ihrem jeweils vergangenen Zeitgeist und auch alle Einwürfe gegen die Psychoanalyse: die ewigen Rivalitäten psychoanalytischer Gruppen, ihr Wahrheitsfanatismus, die exzessiven Idealisierungen, die zu einer Atmosphäre der Verfolgung führen, die Phantasie vom Neuen Menschen etc. etc., alles wird kritisch unter die Lupe genommen. Vor allem auch das deutsche Desaster. Wolfgang Loch schreibt: „Man wird sich heute kaum vorstellen können, auf welchem simplen Niveau die deutsche Psychoanalyse damals sich befand. Mit den Händen konnten wir ergreifen, was der NS angerichtet hatte. Wir waren hoffnungslos zurückgeblieben.“ Der Anschluss an die fortgeschrittene Analyse konnte erst allmählich dank der „Entwicklungshilfe“ ausländischer Kollegen mühsam gefunden werden. Und dabei musste vor allem das „Aneignungstabu“ (Beland) überwunden werden, „dem die deutschen Analytiker unbewusst und kollektiv folgten, als verdienten sie in den Augen der anderen psychoanalytischen Vereinigungen als Erben Hitlers nicht das Erbe Freuds.“

Die Konsequenzen der politischen Katastrophen führten allerdings zu den buntesten Lebensläufen. Viele flohen quer durch den Kontinent und landeten, wenn sie Glück hatten, in den USA. Bei John Kafka wurde daraus ein richtiger amerikanischer Lebenslauf. Mein Favorit ist der Petersburger Victor Smirnoff, ein wahrhafter Weltbürger. Sein Privatleben, meint er, gehe niemanden etwas an und bedauert man eben noch diese asketische Haltung, so wird man durch seinen Geist reich entschädigt. Nach einer Berliner Kindheit, die ihn mit preußischen Tugenden prägte, verwirrte ihn zunächst die „débrouillardise“, das Sich-zu-helfen-Wissen und die sog. französische Leichtigkeit. „Respektlosigkeit und Ironie milderten die Tatsache, dass man es mit den moralischen Werten nicht so genau nahm“. Ende der 20er-Jahre war die Psychoanalyse in Frankreich so gut wie unbekannt – schwer vorstellbar angesichts der späteren gewaltigen Konjunktur. Seine Würdigung Lacans ist bemerkenswert unideologisch und sachlich. Amerika gab ihm einen weiteren Impuls, und er fragte sich, ob der Eindruck von Freiheit und Toleranz, wie er sie von Frankreich her nicht kannte, dem Prinzip der Demokratie zuzuschreiben war oder der typisch angelsächsischen Ausbildung oder der Entfernung von dem engen Rahmen des französischen Milieus.

Zurück in Frankreich trennte er sich von Lacan, beharrte aber weiterhin auf einer avantgardistischen Außenseiterposition, die zu dieser Zeit „das Los der gesamten Psychoanalyse war“. „Seitdem sie ‚offiziell‘ geworden ist, hat die Psychoanalyse zwar an Respektabilität, aber auch an Banalität gewonnen.“

Besonders bemerkenswert ist die Selbstanalyse der wunderbar warmherzigen und klugen Anne-Marie Sandler, was ihr Verhältnis zu den Deutschen betrifft. Kind jüdischer Deutscher wuchs sie in der Schweiz auf und kam in ihren Zwanzigern nach London, machte sich mit der Methode von Anna Freud bekannt, der sie sehr gerecht wird, und heiratete später den Südafrikaner Joseph Sandler, der sie an Bekanntheit übertraf. Sie verfolgt alle Formen des Antisemitismus, vor allem den britischen. 1977 beim Jerusalemer Kongress der IPV kommt es zum Eklat, als ein deutscher Analytiker die Community zum nächsten Kongress nach Berlin einlädt und dies auf eine trampelige Weise, als ginge es um einen touristischen Ausflug. „Er verlor kein Wort über die Nazi-Zeit.“ Sie meldete sich vehement zu Worte und erhielt vom Forum standing ovations. Die Einladung, so befand man, sei verfrüht. Erst 1985 fand dann der erste internationale Kongress auf deutschem Boden statt und zwar in Hamburg. In Berlin der zweite 2007.

Nicht deutsche, sondern englische und französische Kollegen vermochten sie allerdings allmählich davon zu überzeugen, dass die Geschichte weitergehe und man die nachwachsende Generation nicht ewig im Bann der Sünden der Väter halten dürfe. „Durch ein wichtiges Gespräch mit dem Pariser Kollegen Serge Lebovici und „auch durch meine Selbstanalyse wurde mir bewußt, daß größtenteils mein eigenes Schuld- und Schamgefühl diese schrecklichen Jahre in relativer Sicherheit verbracht zu haben, das Motiv für meine Weigerung war, nach Deutschland zu reisen.“ Sie schaffte es, über ihren Schatten zu springen und setzte sich schließlich dafür ein, dass die von der DPV verfemte DPG-Gesellschaft als gültiges Mitglied von der IPV aufgenommen und damit ein Gruppenprozess in Gang gesetzt wurde, der die Identität der Psychoanalyse in Deutschland, die unter dem NS beschädigt worden war, heilte.

In der allgemeinen, aber auch in der Vorstellung der Kandidaten, die Psychoanalytiker werden wollen, soll dieser Beruf Unvereinbares vereinen. Sie sollen exzentrisch und zugleich bescheiden und narzisstisch sein, hochsensibel, aber auch kühl wie Chirurgen, hochgebildet wie einige der Großen der Psychoanalyse waren, schreiben können wie die Dichter und außergewöhnlich sein wie Freud. Das geht nicht und das muss auch nicht sein, wie man aus diesen Selbstdarstellungen erfahren kann. Zusammengehörigkeit, Gruppen, Organisationen – alles wichtig für die professionelle Handhabung des Psychoanalytikerberufs, aber wie Victor Smirnoff befindet, all diese klinischen und institutionellen Methoden müssen immer dem „Prinzip der Unsicherheit“ unterworfen bleiben, denn jeder Analytiker stehe in seiner Einstellung zur Psychoanalyse allein: “Er ist für seine Theorie und seine Praxis nur selbst verantwortlich.“

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