Thomas Auchter: Was macht der Krieg mit unseren Seelen? Zeitgemäßes zur Psychoanalyse des Krieges

Seit dem 24. Februar 2022 tobt in Europa ein Krieg. »Was macht der Krieg mit unseren Seelen?« Auf diese einfache Frage kann es keine einfache Antwort geben. Denn diese komplexe Fragestellung bedarf einer differenzierten Untersuchung und Darstellung. In dieser Arbeit möchte ich mich bevorzugt mit den psychischen und psychosozialen Folgen von Krieg befassen. Über die Ursachen von Kriegen habe ich mich früher an verschiedenen Stellen ausführlich auseinandergesetzt (siehe Literatur) und streife sie heute nur.

Angesichts der erschütternden Bilder von zerstörten Städten und getöteten Menschen fällt es nicht leicht, die Emotionen zu beherrschen und möglichst wertungsfrei (nicht wertfrei!) die seelischen Aspekte des Geschehens zu analysieren.

1. Zur Einführung: Krieg und Gewalt

»Jegliche Gewalt findet ihren Ursprung in einer Unsicherheit«
(Lucius Annaeus Seneca)

Seit Menschen existieren, gibt es auch Gewalt zwischen ihnen - und das Bemühen, dieses Böse in den Griff zu bekommen und die Gewalt einzugrenzen. Der griechische Götterhimmel strotzt nur so von Neid, Vergewaltigung, Inzest und Mord. Und sicher nicht ohne Grund steht die Erzählung von Kain und Abel, dem ersten von unzähligen ›Bruderkriegen‹ bzw. Brudermorden in der Geschichte des Menschen, ziemlich am Anfang der Bibel. Und auch die Bibel steckt noch voller weiterer Gewalttaten.

Der griechische Dichter Sophokles lässt in seinem Drama Antigone verkünden: »Vieles Gewaltige existiert [in der Welt], nichts aber ist gewaltiger als der Mensch«. Von demselben Sophokles stammt auch die Bearbeitung des Ödipus-Mythos, der den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud bekanntlich so sehr beeindruckte. Der Begriff »Ödipuskomplex« ist allgemein bekannt. Die ausgesprochen selektive Rezeption dieser Geschichte durch Sigmund Freud - begründet in seiner eigenen lebensgeschichtlichen Entwicklung - unterschlägt den Anfang der Sage. In ihr wird implizit eine bis heute gültige Erklärung für das Entstehen von Gewalt geboten.

Ödipus wird nämlich als Kleinkind von seinen Eltern weggegeben, er wird getrennt, in der Einöde ausgesetzt (d.h. traumatisch allein gelassen). Zusätzlich werden seine Füße durchstochen (daher ja auch sein Name »Ödipus« d.h. »Schwellfuß«). Den Beginn der späteren tragischen Gewalttätigkeit von Ödipus bildet also das leibhaftige Erleiden von traumatischer körperlicher und seelischer Gewalt durch seine eigenen Eltern. Und die führt - und auch das ist wichtig - auf unbewusstem Wege dazu, dass Ödipus später selbst gewalttätig wird, vom Opfer zum Täter.

»Das ist eben der Fluch der bösen Tat«, lässt Friedrich Schiller in seinem Stück »Piccolomini« sagen, »dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären«. Sigmund Freud schreibt: »Noch heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als Weltgeschichte lernen, im wesentlichen eine Reihe von Völkermorden« (Freud 1915b, 345). »Das gerne verleugnete Stück Wirklichkeit hinter alledem ist«, betont Freud (1930a, 470f.) später, »dass der Mensch nicht ein sanftes, liebesbedürftiges Wesen ist, das sich höchstens wenn angegriffen, auch zu verteidigen vermag, sondern dass er zu seinen Triebbegabungen auch einen mächtigen Anteil von Aggressionsneigung rechnen darf. Infolgedessen ist ihm der Nächste nicht nur möglicher Helfer und Sexualobjekt, sondern auch eine Versuchung, seine Aggression an ihm zu befriedigen, seine Arbeitskraft ohne Entschädigung auszunützen, ihn ohne seine Einwilligung sexuell zu gebrauchen, sich in den Besitz seiner Habe zu setzen, ihn zu demütigen, ihm Schmerzen zu bereiten, zu martern und zu töten. Homo homini lupus; wer hat nach all den Erfahrungen des Lebens und der Geschichte den Mut, diesen Satz zu bestreiten?«

Sigmund Freud formuliert diesen Gedanken schon 1930. Und wer wollte seine Formulierung nach Auschwitz, nach Hiroshima, nach Srebrenica, nach New York, nach Guantanamo, nach Mariupol, nach Butscha und anderem überhaupt noch anzweifeln? Der Mensch ist leider eben nicht nur »edel, hilfreich und gut«, wie Johann Wolfgang von Goethe bemerkte, sondern ebenso niederträchtig, ausbeuterisch und böse. Unter der »dünnen Tünche des Christentums«, meint Freud (1939a, 198) seien wir geblieben, was unsere Ahnen schon waren, nämlich »Barbaren«. Und Hannah Arendt (1963) betonte entsprechend die »Banalität des Bösen«, seine Alltäglichkeit.

Seitdem Menschen sich zu Gruppen, Völkern und Nationen zusammengeschlossen haben, werden die Aggressionen und Machtkämpfe zwischen ihnen auch durch kriegerische Handlungen ausgetragen. Kriege bewirken massenhaft Angst, Zerstörung und Vernichtung, Leid, Trauer und Tod.

Ob der Krieg der »Vater aller Dinge« ist, wie in der Antike Heraklit meinte, weiß ich nicht, aber ich weiß sicher, dass ein Krieg der Vater vieler materieller, aber vor allem seelischer Übel ist. Und diese Übel fangen an, lange bevor der Krieg beginnt, mit der militärischen Zurichtung zum Soldaten einerseits und der geistigen Zurichtung der Zivilbevölkerung für einen Krieg andererseits, zum Beispiel durch Feindbildung. Krieg beginnt, lange bevor der erste Schuss fällt, in den Herzen und Köpfen von Menschen. Und Krieg endet nicht mit dem Schweigen der Waffen, sondern hinterlässt lang anhaltende und tiefe Spuren und Wunden in den Körpern und in den Seelen der Menschen. Manche zeichnen die Betroffenen für immer, sie sind unauslöschlich.

Seit die Menschen ein selbstreflexives Bewusstsein erlangt haben, setzen sie sich deshalb auch mit der Frage auseinander: »Warum Krieg«? Bekanntlich hat Sigmund Freud (1933b) im Jahre 1933 einen offenen Brief an Albert Einstein mit eben diesem Titel verfasst.

Sowohl in der Entwicklung bzw. am Anfang eines Krieges spielen psychische und psychosoziale Aspekte eine bedeutsame Rolle aber auch in den Wirkungen und Folgen eines Krieges auf Menschen.

Die Auswirkungen eines Krieges auf die Seele sind sehr unterschiedlich je nachdem in welcher Situation oder Position einen das Kriegsgeschehen trifft. So macht es einen Unterschied ob meine Seele zu den »Angreifern« oder zu den »Angegriffenen« gehört. Ob ich Soldat bin oder Zivilist. Ob ich direkt den destruktiven Attacken ausgesetzt bin oder ob diese mich nur vermittelt durch Medien erreichen. Ob es sich bei den Kriegsbetroffenen um nahe Angehörige handelt, oder ob ich das Ganze mehr »aus der Ferne« betrachten kann.

Daran schließt sich die Frage an, warum uns dieser Krieg (Ukraine) im Vergleich zu anderen (z.B. Syrien) so »nahe« kommt und das Leid der Betroffenen so nahe geht (Polen beispielsweise nimmt heute im Gegensatz zu 2015 hunderttausende Flüchtlinge auf)?

Eine Erklärung hat der Sozialwissenschaftler Dieter Claessens schon 1980 in seinem Buch »Das Konkrete und das Abstrakte« herausgearbeitet, nämlich: dass wir Menschen evolutionär einen wirklichen, auch gefühlsmäßigen Bezug nur zu dem sinnlich fassbaren, sichtbaren, begreifbaren Naheliegenden, dem Konkreten und nicht zum Abstrakten herstellen können.

Das Wahrnehmen »aus der Ferne« kann zwiespältige Folgen haben. Aus der Forschung über Folter ist bekannt, dass eine »erfolgreiche« Foltermethode darin besteht, einen dem zu Folternden nahe stehenden Menschen Leid zuzufügen. Das verstärkt die Ohnmacht des zu Folternden, denn wenn er selber gefoltert wird, hat er jedenfalls im Prinzip noch (psychische) Wehrmöglichkeiten, nicht so im anderen Fall. Im andern Fall ist er zu vollkommener Ohnmacht verurteilt.

Insofern kann die Beschallung mit Leidinformationen aus der Ukraine die Hilflosigkeits- und Ohnmachtserfahrungen von Empfängern solcher Informationen noch verstärken. Bei anderen wiederum bietet das »von Weitem« die Möglichkeit einer emotionalen Distanzierung. Bei wiederum anderen können solche Informationen den Widerstandsgeist und die Hilfsbereitschaft verstärken.

Eine wichtige Rolle spielt auch noch das Alter der Betroffenen. Bei älteren Menschen mit vielleicht noch realen eigenen Kriegserfahrungen können diese durch die aktuellen Ereignisse wieder »angetriggert« werden und im schlimmsten Fall Re-Traumatisierungen bewirken.

Die meisten jüngeren Menschen in Europa kennen Krieg, wenn überhaupt, in der Regel nur vom »Hörensagen« der Eltern oder Großeltern oder anderer älterer Menschen oder nur medial vermittelt. Andere jüngere Menschen sind vielleicht früher aus Krisen- und Kriegsgebieten – womöglich gar aus Russland oder der Ukraine - zu uns geflohen. Das »Näherrücken« des Krieges kann ihr Gefühl, bei uns einen »sicheren Hafen« erreicht zu haben, destruieren und im schlimmsten Fall Retraumatisierungen bewirken. Durch die aktuellen Umstände können bei Jüngeren zum Beispiel Zukunftsängste oder gar ein Zukunftspessimismus ausgelöst werden. Womit wir zu den emotionalen Folgen von Krieg kommen.

2. Angst, Verunsicherung, Ohmacht, Hilflosigkeit und Verzweiflung

Auch wenn ein Krieg in der Regel nicht plötzlich und unerwartet vom Himmel fällt – auch dem aktuellen Ukraine-Krieg gingen wochenlange Aufmärsche und Manöver russischer Truppen an den ukrainischen Grenzen voraus – löst der Kriegsbeginn als Erstes Erschrecken und Angst aus. Auch deshalb, weil die meisten Menschen – und so war es auch vor dem 24. Februar 2022 - sich nicht vorstellen wollten, dass es tatsächlich in Europa Krieg geben könnte. Von der lügnerischen gegenteiligen Putinschen Propaganda bis zuletzt einmal ganz abgesehen (»Niemand hat die Absicht…«. Das hatten wir 1961 schon einmal gehört!).

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten wir uns im Westen Europas in der Hoffnung eingerichtet: »Nie wieder Krieg«. Diese Illusion hat Wladimir Putin mit seiner Realität des Angriffskrieges brutal zerstört. Mit dem ersten Bombenschlag scheint das Motto: »Frieden schaffen ohne Waffen« obsolet geworden und es wächst die Tendenz, durch Aufrüstung wieder ein »Gleichgewicht des Schreckens« herzustellen. Und in diesen Zusammenhang gehört auch die wieder aufgekommene schwierige Frage der (gewaltsamen) »Selbstverteidigung« gegen einen militärischen Angriff.

Die Informationen über die aktuellen kriegerischen Handlungen neben unserem Wissen über Krieg mobilisieren bei uns unter anderem Verletzungsängste, Zerstörungsängste, Verlustängste und Todesängste. Der dadurch ausgelöste Schock kann uns lähmen, uns die Worte verschlagen, eine Schockstarre erzeugen.

Mit dem Kriegsbeginn war etwas alle Menschen Erschütterndes, seelisch Destabilisierendes geschehen. Massiv bei allen Menschen gestört und bei manchen Menschen zerstört wurde durch den 24. Februar ein »Urvertrauen« (Erikson) in eine sichere Welt, die Phantasie und Illusion der Unverwundbarkeit, es entstand eine »Globale Verunsicherung«. Eine andauernde Erfahrung von Ohnmacht und Hilflosigkeit kann sich im gegebenen Fall zur Verzweiflung steigern.

Auch ist zu bedenken, dass Putins Angriffskrieg die schon zuvor bestehenden Unsicherheiten ausgelöst durch die Corona-Pandemie, die Weltklimakrise, Kriege in andere Teilen der Welt und anderes mehr zusätzlich verstärkt hat.

Andere Reaktionsweisen auf die bedrohlichen Gefühle sind Wut und Aggression. Auch sie sollen dem Ohnmachtsempfinden entgegenwirken. Psychoanalytisch sprechen wir hier aber auch von einer unbewussten »Identifikation mit dem Aggressor«. Das birgt die große Gefahr in sich, dass auf diese Weise aus den Gewaltopfern spätere Gewalttäter werden. Insofern ist die Gewalt höchst infektiös. Nur das Bewusstwerden solcher reaktiver Impulse bietet eine Chance, das blinde Weiteragieren der Gewalt, die Gewaltspirale zu verhindern. Der amerikanische Philosoph George Santayana (1905/6) hat das sinngemäß so formu­liert: »Wer nicht in der Lage ist, aus der Geschichte zu lernen, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen«.

Andererseits kann ich nachvollziehen, dass das massenmörderische Verhalten von Putin und seinem Militär manche Menschen zu Vorstellungen über einen »Tyrannenmord« anstachelt. Und in diesen Zusammenhang gehört auch die Frage der »Selbstverteidigung« gegen einen Angriff.

Zu den problematischen Folgen des Krieges gehören schließlich auch die Generalisierung und Pauschalisierungen, indem z.B. nicht zwischen dem Putinschen Regime und »den Russen« differenziert wird. Der daraus resultierende undifferenzierte »Russen-Hass«, der dann gar in Übergriffen auf russische Geschäfte münden kann, spielt der Putinschen Lügenpropaganda in die Hände: »Seht, wie schlecht ›der Westen‹ mit ›den Russen‹ umgeht!«

Die beste Möglichkeit aktiv mit den destruktiven Gefühlen umzugehen bieten allerdings konstruktive Handlungen wie »Reflektion anstelle von Reflex«, Gespräche, Dialoge, Demonstrationen und schließlich Akte gelebter Solidarität. Ich komme darauf zurück.

3. »Krieg in den Köpfen«, Information, Desinformation, Soziale Medien und Cyber-Krieg

Ein Krieg findet heutzutage nicht mehr nur auf dem realen »Schlachtfeld« – wie trefflich diese Formulierung! – statt, sondern ebenso virtuell durch Hacker-Angriffe, Desinformationskampagnen und anderes mehr. Krieg bedeutet auch »Krieg um die Köpfe« und »Krieg in den Köpfen«. Neben vielem anderen haben Filme und Bilder Einfluss auf die Sichtweise des Krieges. Sie können auf der einen Seite der Gewaltverherrlichung und Verklärung dienen (Propagandafilm), wie sie sich andererseits darum bemühen können, durch eine möglichst ungeschönte Darstellung der Abschreckung vor einem Krieg zu dienen.

Die Gleichschaltung aller Medien in autoritären Staaten wie Russland erschwert den Menschen immens den Zugang zu realistischen Informationen. An deren Stelle treten Desinformationen, Fakes und Wirklichkeitsverzerrungen. Dabei spielen dann vor allem projektive Mechanismen eine wichtige Rolle. Mit anderen Worten, dem Gegner, dem »Feind« wird projektiv etwas unterstellt, was eigentlich zu einem selber gehört. Dass die Wahrheit in einem Krieg als erste stirbt, ist allgemein bekannt.

Häufig ist es für uns nicht leicht, die »Gleichzeitigkeit«, die Spannung zwischen der Wahrnehmung eines mörderischen, kriegerischen Wahnsinns (nicht weit von uns entfernt) und einer weiter bestehenden Normalität (bei uns) auszuhalten. Am 15. Oktober 1939 schrieb der deutsche Psychoanalytiker und später als Widerstandkämpfer hingerichtete John F. Rittmeister entsprechend: »Hier geht das Leben auf eine sehr merkwürdige Weise weiter, nämlich teilweise, wie wenn gar nichts wäre« (Brecht u.a. 1985, S. 171).

Ein Krieg lädt’ geradezu zu einem dichotomen, einem »Schwarz-Weiß-Denken« ein. Da stehen sich die »bösen« Angreifer und die »guten« Angegriffenen gegenüber. Unsere Neigung zu derartigen »Simplifizierungen« gerade angesichts von Krisen und Konflikten bedarf immer wieder einer kritischen Untersuchung und gegebenenfalls einer Ersetzung des Dichotomen durch Differenzierung.

Die heutigen Menschen sind geprägt durch die modernen Medien. Alle technologischen Neuerungen besitzen allerdings ein Janusgesicht, sie lassen sich konstruktiv im Interesse der Menschen einsetzen, können aber auch im Dienste von Macht und Gewalt destruktiv gegen die Interessen von Menschen verwendet werden. Gerade bei Jugendlichen stehen die ›Neuen Medien‹ (Handy, I-Phons, I-Pads, Internet, soziale Netzwerke, Computerspiele) und die damit verbundene »virtuelle Realität« (vgl. Guignard 2011) hoch im Kurs.

Die gewalttätige Abseite der Neuen Medien manifestiert sich z.B. in den Suchtgefahren (Bilke-Hentsch 2013; Plassmann 2013), dem ›Cybermobbing‹, dem Missbrauch sozialer Netzwerke durch Pädophile und der zunehmenden Diffusion zwischen materieller und virtueller Realität (vgl. Guignard 2011) beziehungsweise zeigen die »verdrängende Wirkung der digitalen Medien auf die lebendige Welt« (Plassmann 2013, 29) oder psychoanalytisch gesprochen: wir haben es mit einer Erosion des Realitätsprinzips zu tun.

Denn die Ersetzung tatsächlicher, gesamtkörperlicher, sinnlicher Erfahrung durch Knopfdrücken und Bildschirmwischen erschwert die Realitätsprüfung. Das wirkt sich beispielsweise in der Mitwirkung Adoleszenter in der ›modernen Kriegsführung‹ aus, wo die reale destruktive Gewalt gegen Personen und Sachen dann wie ein Computerspiel betrieben wird (vgl. Wright 2005). Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis von Matthias Elzer (2011, 2), »dass die PC-Ballerspiele aus militärischen Simulationsprogrammen hervorgegangen sind, die das Ziel haben, die selektive Konzentration, Reaktionsbereitschaft und Treffsicherheit zu erhöhen; emotionale Hemmungen zum Töten sollen ausgeschaltet und auf technische Fertigkeit reduziert werden« (vgl. Plassmann 2013, 32)!

Die technologischen Neuerungen versprechen auch eine risikoärmere Alternative zu verletzlicheren direkten und intimeren menschlichen Begegnungen. Man ist fortwährend »mit jemand verbunden«, aber eben nicht wirklich, nicht sinnlich.

Was sich durch die modernen Kommunikationsmittel andererseits auch verändert hat, ist die Unmittelbarkeit der Teilnahmemöglichkeit an allen möglichen Bedrohungen und auch kriegerischen Entwicklungen. Der schockierende Angriff auf die Ukraine am 24. Februar 2022 ebenso wie der Angriff auf das World Trade Center am 11.September 2001 fanden in der Weltöffentlichkeit weitgehend »live« statt.

Genau diese ständige Medienpräsenz liegt übrigens auch im bewussten und unbewussten Kalkül der Kriegsparteien. Ihre (Un-)Taten werden medial beschleunigt und vergrößert. Damit wird Angst erzeugt und die Ich-Fähigkeiten sollen destabilisiert und destruiert werden.

Die (erschütternden) Bilder, sprechen nur eine sensorische Qualität (das Visuelle) an, wirken sich jedoch auf den ganzen Menschen aus. Auch Bilder können zwiespältige seelische Effekte bewirken. Sie können einerseits Ohnmachtsgefühle bekräftigen: Man nimmt etwas wahr und ist gleichzeitig von sinnlicher Reaktion (Bewegung des Gesamtkörpers) abgeschnitten. Man wird berührt und bewegt, aber kann sich nicht und nichts bewegen. Andererseits erlauben Bilder auch eine psychische Distanzierung (es sind ja »nur« Bilder).

Die andauernde Konfrontation mit den erschreckenden und entsetzlichen Kriegsbildern führt zu seelischem Stress. Stress ist aber nicht unbegrenzt auszuhalten. Stress kann verheerende seelische Folgen haben: Psychosomatische Reaktionen, Schlafstörungen, Unruhezustände, Konzentrationsstörungen Lähmungszustände oder innerer Rückzug bzw. Depressionen, um nur einige zu nennen.

Notwendig ist es, einen Mittelweg zu finden zwischen Informationsbedürfnis und Informationsüberflutung. Das erfordert auch partiellen Informationsverzicht bzw. eine maßvolle Gestaltung bzw. Dosierung der auf uns einströmenden Informationen. Hilfreich dabei ist eine Medienkompetenz, die von Erwachsenen den Jüngeren vorgelebt und vermittelt werden muss! Eine Hilfe bei der Bewältigung ist auch aktiv und bewusst hergestellte »Auszeiten vom Krieg«. Ein vorübergehendes seelisches Aus- und Abschalten und eine Suche nach Zerstreuung, wie immer die aussehen mag.

4. Krieg und Trauma

Das Erleben der Gewalt eines Krieges ist sicher eine traumatische Situation. Alle Kriegsteilnehmer, seien es Kinder oder Erwachsene, Soldaten oder Zivilisten, direkt Betroffene oder indirekt Betroffene - wie wir alle - tragen in unterschiedlichem Ausmaß seelische Verletzungen, Wunden und Narben davon (vgl. Laub 2000, S. 867). Der Umfang davon hängt wie schon eingangs erwähnt von dem Grad und der Stärke der Betroffenheit ab. Besonders problematisch sind Kriegsereignisse für Menschen, bei denen schon vorher ein »Krieg in der Seele« herrschte, seelisch kranke oder traumatisierte Menschen.

Deshalb möchte ich im Folgenden einige Überlegungen zum »Trauma« vorstellen.

4.1. Was ist ein Trauma?

Damit werden zwei verschiedene Dinge benannt. Mit dem Begriff »Trauma« - vom griechischen Wort Trauma d.h. »Verletzung« - wird erstens eine »schwere seelische Verletzung« oder »Störung« bezeichnet. Zweitens findet der Begriff Trauma aber auch Verwendung für ein einmaliges oder wiederholt auftretendes »traumatisierendes Ereignis« oder »Erlebnis«.

Ein traumatisierendes Ereignis liegt außerhalb der gewöhnlichen menschlichen Erfahrung und überschreitet die Grenzen der seelischen Belastbarkeit. Die Intensität von Gefühlen des Schreckens, der Angst, des Schmerzes, der Ohnmacht und Hilflosigkeit - wie zum Beispiel Todesangst - führt dazu, dass das gewöhnlich funktionierende Verarbeitungs- und Bewältigungssystem des Individuums, sein »Ich«, mit seinen seelischen Abwehr- und Anpassungsmechanismen überfordert wird und zusammenbricht. Der seelische Regulationsapparat, vor allem in seiner Funktion, den Erfahrungen Sinn und Bedeutung zu verleihen (die sogenannte »Symbolisierungsfunktion«) wird gestört, beeinträchtigt, beschädigt oder im Extremfall zerstört. Durch diese basale Erschütterung gerät der Mensch aus dem Gleichgewicht, es fällt ihm schwer seine innere Struktur aufrecht zu erhalten. Seine Fähigkeit zur Bewältigung seiner Realität wird beschädigt. Sein gesamtes Selbstgefühl gerät ins Wanken, seine Selbstgrenzen werden verletzt und durchlöchert. Dadurch kann es im Endeffekt zur seelischen Erkrankung einer sogenannten »Borderline-Erkrankung«, also einer »Grenzstörung« kommen.

Die extreme Gefährdung in einer traumatisierenden Situation versetzt den Menschen in einen heftigen Spannungs- und Erregungszustand. Nach dem Ende der Traumaerfahrung halten dieser seelische Alarmzustand und die ständige Verteidigungsbereitschaft oft noch lange an und behindern den Traumatisierten an einem unbeschwerten Leben.

4.2. Posttraumatische Belastungsstörung

Was uns später als heute sogenannte »Posttraumatische Belastungsstörung« (PTBS) begegnet, stellt dann den seelischen, vor allem unbewussten, Versuch dar, ein Trauma nachträglich zu verarbeiten und in irgendeiner Weise wieder zu einem seelischen Gleichgewicht zu kommen.

Ein ganz typisches Merkmal traumatisierter Menschen ist die sog. »Dissoziation« oder »Spaltung«. Das bedeutet, dass unerträgliche seelische Inhalte von einander abgespalten werden. So werden z.B. die Bilder und Szenen traumatischer Erfahrungen von den damit verbundenen Gefühlen abgespalten und gewissermaßen im Gehirn an zwei von einander getrennten und entfernten Orten aufbewahrt. In der Folge kommt es dann einerseits zu einem unvermittelten Auftreten dieser Bilder vor den inneren Augen, ohne dass der Mensch sich dagegen wehren kann (»Flashbacks«), tagsüber oder nachts in »Alpträumen«. Oder in anderen Momenten zu einer Überwältigung durch völlig unverständliche und unfassbare Gefühlszustände, wie »Panikattacken« oder »unstillbare Weinkrämpfe«, die nicht zu irgendwelchen Vorstellungsbildern zugeordnet werden können. Die »Dissoziation« manifestiert sich bei manchen traumatisierten Menschen in unverbundenen, auseinandergerissenen, fragmentierten Persönlichkeitsanteilen. Gerald von Minden (1988) sprach trefflich vom »Bruchstück-Menschen«. Im Extremfall führt das zu einer sogenannten »Multiplen Persönlichkeit«.

Traumatische Erfahrungen machen die Menschen häufig stumm, beeinträchtigen ihre Fähigkeit, sich mit Worten ausdrücken zu können, das Erlebte, das sie beschäftigt, mit dem sie nicht fertig werden, »in Worte zu fassen« (vgl. Laub 2000). Es wird zum »Unsagbaren«. Denn das Trauma beschädigt oder zerstört wie erwähnt auch die »Fähigkeit zur Symbolisierung« (vgl. Bohleber 2000, S. 798). Die traumatischen Erfahrungen werden unvermittelt, bedeutungslos (denn sie besitzen ja auch tatsächlich keinerlei Sinn) in den Körper eingeschrieben. Sie können nicht in das Selbst- und Weltgefühl integriert werden, sie werden häufig gewissermaßen eingekapselt und bleiben so ein »Fremdkörper« im Ich-Selbst des Menschen. Und oft können dann diese körperlich engrammierten und/oder nicht verwörterbaren Erfahrungen zunächst nur in körperlichen Symptomen einen Ausdruck finden.

Traumatisierte Menschen müssen - zumindest zunächst - ihre nicht auszuhaltenden Erlebnisse verdrängen, um seelisch weiterleben zu können. Damit verschwindet das Trauma allerdings nur aus ihrem Bewusst-Sein, aber nicht aus ihrem Sein. Ganz im Gegenteil, die ungelösten seelischen Konflikte und unbewältigten Traumata drängen nun unbewusst nach Bearbeitung. Das kann sich dann zum Beispiel in unbewussten, zum Teil zwanghaften, destruktiven Wiederholungen zeigen, wie in allen möglichen neurotischen und psychosomatischen Symptomen. Die zeigen an, dass da in der Seele etwas nicht in Ordnung ist. Im Gegensatz zu den Einwirkungen körperlicher Gewalt sind die »Narben seelischer Gewalt« (Herman 1993) oft viel schwerer identifizierbar, zeichnen die Menschen aber häufig viel länger, bisweilen lebenslang.

Nicht nur die direkte Erfahrung von Gewalt, sondern auch das Gezwungensein zum hilflos-ohnmächtigen Miterleben der Verwundung oder Tötung eines Menschen kann - wie schon erwähnt - traumatisierend wirken (Kernberg, zit. n. Wirth 2002, S. 379).

Bei einer PTBS wird das gesamte Zeitgefühl beeinträchtigt oder außer Kraft gesetzt. »Traumatisierte Patienten berichten oft, ein ›eingefrorenes Zeitgefühl‹ zu haben, oder ihre innere Uhr sei mit dem Datum der Traumatisierung stehen geblieben« (Bohleber 2000, S. 827) und damit fehlt eine wichtige existentielle Orientierungsmöglichkeit in der Welt. Zurückbleibt eine fundamentale Ungewissheit. Bezüglich der Zukunft«, es macht sich eine hoffnungslose und pessimistische Grundstimmung breit. »Depressive Verstimmungen« bis hin zu »depressiven Psychosen« sind eine der Folgen.

Irgendwann schweigen dann die Waffen, aber der Krieg in den Köpfen, den Herzen, dem Bauch und der Seele ist noch lange nicht zu Ende. Die traumatischen Erlebnisse und ihre Folgen, die »Posttraumatische Belastungsstörung«, bleiben quälend lebendig. Je nach Vorerfahrungen, möglichen Vorschädigungen und den Umständen während und nach den Kriegstraumatisierungen kommt es natürlich zu unterschiedlichen Folgeerscheinungen in Form und Ausmaß der Störungen.

Das Leben in Angst wird im Krieg zu einem Dauerzustand und bleibt auch danach jahrelang ein ständiger Begleiter und es kommt bei entsprechenden »Schlüsselreizen« (solch ein »trigger« kann z.B. das Geräusch eines normalen Flugzeugs sein oder die Sirene eines Krankenwagens) zum Ausbruch akuter Angst- und Panikzustände. Die Vergangenheit will nicht vergehen.

4.3. Vom Umgehen mit dem Trauma

Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Reaktionsweisen auf eine traumatische Erfahrung. Die eine führt zu einer totalen Gefühlsabstumpfung, man wird völlig gefühllos oder es tritt eine gegenteilige Reaktion ein, die Gefühle geraten außer Kontrolle, man verhält sich »hysterisch« oder »verrückt«. Ähnlich finden wir auf der Verhaltensebene einerseits Erstarrung, Lähmung und Apathie oder auf der anderen Seite einen übertriebenen Aktivismus, Aktionismus, der dem Gefühl von Ohnmacht und Angst machtvoll entgegenwirken soll.

Zwei grundlegende Verarbeitungsformen traumatischer Einwirkungen lassen sich also unterscheiden, einerseits eine expressive, aggressive bis psychotische und andererseits eine regressive durch inneren Rückzug und depressive Verstimmungen (stille Trauer) gekennzeichnete. »Ich weine nach innen«, sagte einmal eine meiner traumatisierten Patientinnen. Diese zweite Form würde ich sogar für noch schlimmer einschätzen, weil sie mit einer hoffnungslosen Bewegungs- und Aktivitätslähmung einhergeht, während aggressiv-lärmende Symptome zumindest noch einen Restbestand an hoffnungsvoller Wirkmächtigkeit anzeigen. Das ist ähnlich wie bei Kindern – gerade die stumm leidenden verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit, statt sie als besonders pflegeleicht zu betrachten.

Nicht selten führt die Angstlähmung zu einer schwerwiegenden Entwicklungsstörung bis zum Entwicklungsstillstand. Nach dem Kosovo-Krieg wurden Kinder beobachtet, die Gräuelszenen miterleben mussten, und danach monatelang kein einziges Wort mehr gesagt haben. Das wird jetzt im Ukraine-Krieg nicht anders sein!

Kinder bei uns bekommen auf verschiedene Weise durch Fernsehen oder Gespräche unvermeidlich etwas vom Krieg in der Ukraine mit. Wie können wir damit umgehen, wenn Kinder uns nach dem Krieg fragen? Da gilt es zunächst genau hinzuhören, was die Kinder genau beschäftigt oder beunruhigt. Wir sollten dann immer altersentsprechend möglichst wahrhaftig damit umgehen und wenn möglich beruhigend auf die Kinder einwirken.

Anna Freud und Dorothy Burlingham (1949) untersuchten in einem Kinderheim wegen des Krieges aus London evakuierte Kinder. Die besten Chancen zur seelischen Verarbeitung von Kriegserlebnissen hatten diejenigen, die in dieser Zeit nicht von ihren Müttern getrennt waren und wenn die Mütter selber relativ wenig Angst hatten. Umgekehrt löste der plötzliche Verlust eines Elternteils, wie er im Krieg vielfach vorkommt (beispielsweise getötete Väter-Soldaten), traumatische Trennungsängste aus.

In der Regel wird das Trauma zunächst ins Unbewusste abgedrängt und tief im Innern der Seele vergraben. Die Stellen, an denen das Verdrängte dann wiederkehrt und sich einen Ausdruck sucht, sind sehr vielfältig. Sie umfassen praktisch das ganze Spektrum psychiatrischer Symptomatik. Ich möchte nur einige erwähnen: das sind Schlafstörungen, Alpträume, Bettnässen, Daumenlutschen, anhaltendes Weinen, selbstzerstörerisches Verhalten, depressiver Rückzug und extreme Anklammerungstendenzen. Dann: Aggressivität gegen andere, Verhaltensauffälligkeiten aller Art, Griff zu Betäubungsmitteln wie Alkohol und andere Drogen. Schließlich Körpersymptome wie Kopf- und Magenschmerzen, Erbrechen, Appetitlosigkeit.

Ein verbreitetes Phänomen bei kriegstraumatisierten Kindern ist die sog. »Überlebensschuld«, wenn z.B. ihre Eltern oder andere Nahestehende im Krieg getötet wurden. »Warum die und nicht ich« lautet das Motiv dieser irrationalen Schuldgefühle. Diese wurden zunächst bei Überlebenden der »Shoah« beobachtet (Niederland 1980). Diese Kinder fühlen sich unbewusst irgendwie für den Tod ihrer Eltern verantwortlich. Dieses Phänomen ist sehr ernst zu nehmen und nicht durch einfache Überredungsversuche aus der Welt zu schaffen. Es ist psychotherapeutisch nur sehr schwer beeinflussbar.

Durch den Mechanismus der »Verwandlung von Passivität in Aktivität« (vgl. Fischer u. Riedesser 1998, S. 99) besteht wie schon erwähnt die große Gefahr, dass aus den Gewaltopfern spätere Gewalttäter werden. Die Symptome von Kriegstraumatisierungen treten - wie auch nach anderen Traumatisierungen - in der Regel nicht sofort, sondern erst nach einer gewissen »Latenzzeit« auf (vgl. Bohleber 2000, S. 815). Direkt nach Kriegsende ist die Euphorie über das eigene Überleben und die Gefühlspanzerung aus der direkten Kriegserfahrung noch wirksam.

4.4. Das »Krieger-Ich« (S. Freud 1918)

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist verstärkt die »Posttraumatische Belastungsstörung« von Soldaten in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Der Krieg beschädigt und zerstört die Seelen bevor er überhaupt begonnen hat, näm­lich durch die gewalttätige Ausbildung zum Töten und Zerstören im Kriegsdienst. Die Kampfausbildung umfasst auch eine Brutalisierung und Entfremdung von menschlichen Gefühlen, sich selbst gegenüber und dem Feind gegenüber. Diese Menschen werden zu einer »militärischen Persönlichkeit« (Shatan 1981) umgeformt, bilden ein »Militär-Ich« (E. Simmel 1994, zit. n. Bohleber 2000, S. 809) oder mit Freud (1919d, S. 323) zu sprechen ein »Krieger-Ich« aus und werden in eine paranoide Kampfeshaltung versetzt, die ihre zivile Realität ersetzt. Soldaten sind in der Regel »Opfer und Täter« zugleich.

Die moderne technische Kriegsführung, bei der nur noch aus großer Höhe »Bomben ausgeklinkt« werden, »Marschflugkörper« losgeschossen oder »Kampfdrohnen« eingesetzt werden, unterstützt die Entfremdung vom sinnlichen Töten und Zerstören. Sie wäre bei einem »Auge in Auge« Kampfgeschehen schwieriger. Denn in den meisten Menschen bestehen noch Reste eines unbewussten »Tötungsverbots«.

Nach der Rückkehr aus einem Krieg muss der Soldat die Realitätsmembran wieder in die andere Richtung durchstoßen, um wieder zu einer zivilen und menschlichen Identität zu gelangen. Das misslingt allerdings in nicht wenigen Fällen. Manche kommen von dieser Brutalisierung und Schmerzverleugnung nie wieder los und richten ihre Wut und Gewalt dauerhaft oder in aufflammenden Gewaltausbrüchen, gegen ihre Familien, andere Menschen oder wahllos gegen andere Ziele und begehen Morde und Selbstmord. Viele scheitern in ihrer Ehe, ihrem Beruf oder der Ausbildung, begeben sich unbewusst immer wieder in extreme Gefahrsituationen, geraten in Autounfälle oder andere katastrophale Ereignisse, die nicht selten mit dem Tod enden. 40% ehemaliger Kriegsgefangener des 2. Weltkrieges und des Koreakrieges starben laut Shatan (1981, S. 562) an derartigen Todesursachen.

Die Militärdoktrin lautet, dass es sich immer um »Verteidigung« (»Verteidigungsministerium«) handelt, jeder Soldat immer auf Seiten »des Guten« agiert. Die moralische Immunisierung der Soldaten ist in ihrer Ausbildung allerdings selten vollkommen. Meine »Hypothese« ist, dass auch die beste und psychologisch fundierteste Feind­­bildung und Indoktrination nicht dazu in der Lage ist, das grundlegende und tief verwurzelte menschliche Empfinden für Recht und Unrecht (das zwar vermutlich angeboren ist, aber nur bei einer sorgfältigen Förderung Kraft im Leben entfalten kann) völlig außer Kraft zu setzen. Reste gesunden moralischen Empfindens überleben offenbar. Aber auch »im ›gerechten Krieg‹ bleibt Totschlag Totschlag, gleichgültig von welcher Seite er verübt wird, und niemand kann den Täter vor seinem eigenen Gewissen exkulpieren« (Bergemann 1983, S. 117; Freud 1912-13a, S. 47 ff.).

Deshalb leiden manche dieser Menschen unter bewussten, die meisten aber wohl unter »unbewussten Schuldgefühlen« und Reue (vgl. Bohleber 2000, S. 809). Selbstmörderische Alpträume werden nicht selten in die reale Tat umgesetzt. Viele leiden unter Selbstvorwürfen, Selbstzerfleischungen, Qualen und Verbitterung, manche sprechen davon, durch Selbstbestrafung für »ihre Schuld zahlen« zu wollen.

Sigmund Freud, beschreibt schon 1918 – angesichts des 1. Weltkrieges – den inneren Konflikt im Soldaten zwischen seinem – wie Freud das nennt - »Friedens-Ich« und seinem »Krieger-Ich«. Bei den sogenannten »Kriegsneurosen« – also Soldaten, die an der Front seelisch erkranken - wehre sich das Friedens-Ich gegen

  1. die Lebensgefahr, in die der »neugebildete parasitische Doppelgänger«, das Krieger-Ich, den Soldaten bringe (Freud 1919d, S. 323; [1920] 1987, S. 707),
  2. gegen »das Gefühl empörender Anforderungen des Kriegsdienstes... Sträuben gegen den Auftrag, andere zu töten«,
  3. gegen die »rücksichtlose Unterdrückung der eigenen Persönlichkeit« durch die militärischen Vorgesetzten (S. Freud 1920, S. 707).

Der Begriff »Kriegsneurose« ist nach Freud ebenso irreführend wie der Begriff »funktionelle Störung« (Freud 1920, S. 706f.) für Soldaten. Denn es ist ja sehr die Frage, ob die Entwicklung körperlicher Symptome bei Soldaten wie »Zittern und Lähmungen« eine »Krankheitserscheinung« sind? Oder ob sie nicht viel eher Ausdruck eines gesunden Empfindens angesichts so krankhafter Umstände (wie die eines Krieges) sind?

5. Bewältigungsmöglichkeiten von Kriegserfahrungen

Da es für uns unmöglich ist, ein hohes Erregungsniveau über längere Zeit ohne seelische Schäden zu ertragen, suchen wir bewusst und unbewusst nach Abhilfe. Eine der seelischen Techniken dazu ist die Gewöhnung. Zu ihr gehört die Gewichtung nach (für mich) bedeutsam oder nicht bedeutsam, die Verdrängung unerträglicher Gedanken und Empfinden und anderes mehr.

Es ist ein wichtiges Ziel der »Angstbewältigung… zwischen realen Gefahren und imaginären Risiken zu unterscheiden« (Schmidbauer 2005, S. 180), auch wenn diese Unterscheidung (zwischen realen Ängsten und irrealen Ängsten, zwischen rationalen Bedrohungen und irrationalen Bedrohungen) im Einzelfall bisweilen gar nicht so leicht ist (vgl. Rüger 1984, S. 17). Angst ist im menschlichen Leben unvermeidlich, die Angst kann niemals völlig aufgehoben, sondern höchstens gemildert werden.

Eine der Möglichkeiten gegen die Ohnmachts- und Hilflosigkeitsgefühle anzugehen, ist Aktionismus. Dieser wird aber zu Recht nicht selten als »blinder Aktionismus« entlarvt.

Sinnvoller ist es in dem »Gebet der Gelassenheit« des schwäbischen Theologen Christoph Oetinger (1702-1782) formuliert: »Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden«. Hilfreicher ist eine vernünftige, durchdachte und sinnvolle Aktion anstelle von Aktionismus. Dazu gehören vor allem die vielfältigen Akte der Solidarität.

Ich möchte schließlich nicht verhehlen, dass auch (diese) Auseinandersetzung mit dem Thema »Krieg« (m)einen Versuch der Angstbearbeitung darstellt!

Mit deutlichster Mehrheit (141 Ja-Stimmen, 35 Enthaltungen und nur 5 Nein-Stimmen: Belarus, Nordkorea, Syrien, Eritrea und Russland) verurteilte die UN-Vollversammlung am 2. März den Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine. Fast die ganze Welt stand hier gegen den Angriffskrieg zusammen.

Die beeindruckende Welle der Solidarität nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, ja der Welt stellt auch eine Möglichkeit dar, der Ohnmacht und Hilflosigkeit etwas entgegenzusetzen. Die Frage ist nur, wie langfristig diese Solidaritätswelle anhalten kann?

Aus unserem psychotherapeutischen Vorgehen wissen wir, wie wichtig eine Balance zwischen Empathie, als Einfühlung in mein Gegenüber, das auch Mitgefühl (und Mitleid ist etwas anders!) ermöglicht und emotionaler Distanzierung, die Besinnung und Nachdenken, also Rationalität erlaubt, ist. Notwendig im Sinne einer Psychohygiene ist es, immer wieder ein Gleichgewicht zwischen der Fürsorge für andere und der Selbstfürsorge herzustellen!

Auch Antikriegsdemonstratíonen stellen Versuche dar, der Ohnmacht und Resignation entgegenzuwirken: Wir bewegen uns, gehen auf die Straße... Darüberhinaus verstärken diese Erfahrungen das Gefühl des Nicht-Alleinseins, erlauben Gemeinschaftserfahrungen. Diese sind dabei behilflich, dass die Waage zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung nicht in Verzweiflung mündet! Sie helfen, das »Prinzip Hoffnung« (Ernst Bloch) nicht aufzugeben!

Abschließend noch ein paar grundsätzliche Bemerkungen zur »Gewalt zwischen Menschen«.

6. Die Zukunft der Gewalt - Jenseits des Gewaltprinzips?

Das Problem der Gewalt im 21. Jahrhundert besteht vor allem in ihren Dimensionen. Das betrifft nicht nur die Massenvernichtungsmittel (Atomwaffen), die einen vielfachen »overkill« ermöglichen, sondern auch die seit 11. September 2001 von niemandem mehr zu verleugnende Verwundbarkeit moderner Großgesellschaften, unter anderem auch durch Cyber-Angriffe. Die meisten wissenschaftlichen und technischen Fortschritte des Menschen lassen sich auch als destruktive Waffen gewaltsam gegen ihn selbst richten. Der Mensch in seiner »Antiquiertheit«, der nach Günter Anders (1956) einen wirklichen, emotionalen Bezug nur zum sinnlich Fassbaren, begreifbaren Naheliegenden herstellen kann (Claessens 1980), ist durch die Dimensionen technologischer Entwicklungen (zu groß oder zu klein, zu schnell oder zu langsam für eine bewusste Sinnesempfindung) seit längerem moralisch überfordert. Wie soll er auch im Bezug auf seine Gewalt seinen ethischen Verpflichtungen, dem »Prinzip Verantwortung« (Jonas 1980) gerecht werden können?

Solange es Menschen geben wird, werden sie sich mit der im Menschen innewohnenden Gewalt und deren Allgegenwart (Rauchfleisch 1992) auseinander zusetzen haben. Alle im Laufe der Menschheitsgeschichte entworfenen Utopien gewaltfreien Zusammenlebens beruhen ausgesprochen oder unausgesprochen auf der Voraussetzung, dass zuvor alle die gewaltlose Glückseligkeit störenden Menschen beseitigt worden sind (Chasseguet-Smirgel 1988, S. 130). In Wirklichkeit ist das vollkommene Eliminieren destruktiver Aggressivität nur auf dem Wege der Selbstvernichtung der Menschheit möglich. Der individuell wie kollektiv immer wieder gesuchte Weg, die Gewalt mit Gewalt ausmerzen zu wollen, hat sich allzu häufig als trügerische Hoffnung und Irrweg erwiesen.

Da es menschen-unmöglich ist, die Gewalt ganz aus sich herauszubekommen, liegt die erfolgversprechendere Möglichkeit darin, sich die Aggression in ihren vielfältigen Varianten bewusst und kritisch anzueignen (Auchter 1994b, S. 33f.). »Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden« (Freud 1930a, S. 506). Da wir der destruktiven Gewalt entgegenwirken müssen - schlicht aus Selbsterhaltungsgründen wie Freud (1933b, S. 25) meint, ist es notwendig, zu versuchen, soweit wie möglich die Psychodynamik individueller und gesellschaftlicher, struktureller Produktion von Gewalt zu analysieren und aufzuklären.

Genauso wie der Mensch nach aller menschlichen Erfahrung unbestreitbar zum Niedrigsten und Bösesten gegenüber seinem Mitmenschen und der Natur in der Lage ist, ist er auch zum Höchsten und Besten fähig. Aber unsere innersten Idealvorstellungen vom Reinen und Edlen, unsere »Krankheit der Idealität« (Chasseguet-Smirgel 1981) hindern uns immer wieder daran, unsere realistische Zebranatur, den Wechsel schwarzer und weißer Streifen, bei uns und in uns anzuerkennen. Sie lassen uns immer wieder den Traum vom »weißen Zebra« träumen (Cremerius 1978). Das Konzept vom »weißen Zebra« verdanke ich meinem alten Freiburger Psychoanalyse-Lehrer Johannes Cremerius. Ebenso häufig wie nach dem Wahrhaftigkeitsprinzip verhalten wir uns nach dem bekannten Aphorismus von Friedrich Nietzsche: »›Das hab ich getan‹, sagt mein Gedächtnis. ›Das kann ich nicht getan haben‹, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich gibt das Gedächtnis nach«.

Böse werden wir, wenn wir uns selbst nicht so annehmen wie wir sind, nämlich voller Widersprüche. Mit Fähigkeiten und Stärken, auf die wir stolz sein können, aber auch mit Schwächen und Fehlern und Unvollkommenheiten, für die wir uns vor unserem inneren Ideal schämen. Wenn es uns nicht gelingt, auch diese ungeliebten Selbstanteile, unsere »schlechtere Hälfte«, unsere »Schatten« (wie Carl Gustav Jung sagt) anzunehmen, dann stehen wir immer wieder in der Gefahr, dieses unser eigenes Böses auf andere (Fremde, Juden, Palästinenser, Muslime, Ausländer, Behinderte, Asylbewerber, Arbeitslose, Frauen, Kinder usw. usf.) zu projizieren und dann an ihnen mit aller Gewalt zu bekämpfen (Auchter 1990). »Fremdheit erzeugt Misstrauen, Misstrauen erzeugt Hass, Hass erzeugt Gewalttat« formulierte der israelische Philosoph Schalom Ben Chorin (1988, S. 104). »Es ist letztlich das Nicht-ertragen-können von Leiden, das immer wieder dazu zwingt, andere leiden zu machen« (Richter 1979, S. 146). Die Leidensfähigkeit setzt voraus, dass wir auf den Versuch der Befriedigung unserer Ideal- und Omnipotenzvorstellungen verzichten. Donald W. Winnicott (1960) hat uns hierfür die hilfreiche Kategorie des »good enough«, des »hinreichend Guten« angeboten. Das Annehmen unvermeidlichen Leidens bewahrt uns davor, andere vermeidbar leiden zu machen. So wie es der französische Philosoph Albert Camus einmal formulierte: Es geht darum, »leben und sterben zu lernen, um Mensch zu sein, sich weigern Gott zu sein«.

Winnicott (1965b, S. 52) bezeichnet als die »wirklich verantwortlichen Menschen jene, die ihren eigenen Hass, ihre Ekelhaftigkeit, ihre Grausamkeit als Tatsachen annehmen, als Eigenschaften, die gleichzeitig mit ihrer Fähigkeit zu lieben und etwas aufzubauen, bestehen«. Es geht um die Anerkenntnis, dass »Liebe und Hass normale Gefühle sind« (Simmel, 1993, S. 90) und um eine »Koexistenz von Liebe und Hass« (Winnicott 1965a, S. 21), die ausgehalten werden muss. Gesundheit besteht in der Fähigkeit, »zu lieben und zu hassen« schreibt Michael Balint (1966, S. 159).

Melanie Klein (1935) hat das Akzeptieren der dunklen Seite im Menschen in einer etwas unglücklichen Formulierung als »Depressive Position« bezeichnet. Gemeint ist damit die Fähigkeit und der Wille zur Übernahme von Verantwortung, zur Annahme von realer Schuld und zum Bemühen, zukünftig schuldhaftes Handeln zu minimieren. Winnicott (1965a, S. 73ff.) bezeichnet das als »Fähigkeit zum Erbarmen« oder »Fähigkeit zur Besorgnis«.

Wenn der destruktiven Gewalt ein entgleister, abgebrochener oder nie zustande gekommener sozialer Dialog zugrunde liegt, dann kann die humane Konsequenz nur in einer Aufnahme oder Wiederaufnahme des Dialoges bestehen. »Worte öffnen Fäuste«, schrieb der Theologe Friedrich Schorlemmer (1992).

Wir werden es schließlich aushalten müssen, dass ein gewisser Anteil des destruktiven, gewaltsamen Verhaltens nicht und niemals verstanden und erklärt werden kann. So bleiben die Gewalt und Krieg eine ständige Herausforderung für uns alle. Wir werden das »Kainsmal« niemals und schon gar nicht gewaltsam auslöschen können – wir müssen und wir können damit leben.

©Dipl. Psych. Thomas Auchter, Psychoanalytiker (DPV/IPA/DGPT)

 

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