Andreas Weber- Meewes: „Make America Great Again“ – Ein Rückblick auf das Leben im Schatten des Trump

Politik und Gesellschaft

Der Wahlkampfslogan „Make Amerika Great Again“ eint seit 2016 Trumps Anhängergemeinde. Schon dieser Slogan beruhte auf einer Falschbehauptung: USAmerika war damals nicht „klein“ oder „schwach“, wie das Motto intendierte. Zwar gab es schon seit der Amtszeit Bill Clintons folgenreiche Anpassungen an die Globalisierung, die viele einfache Arbeiter*innen in den entstandenen Strukturkrisenregionen hart getroffen hatten, aber am Ende der Amtszeit Barack Obamas brummte die Konjunktur. Die weltweit wichtigsten Technologieunternehmen waren amerikanisch, und die militärische Vormachtstellung Amerikas war weltweit unbestritten. Was genau musste aus Sicht der Trumpianer eigentlich wieder „great“ gemacht werden? Kohlegruben und Stahlöfen? Und warum gaben 2020 nach vier glanzlosen Jahren und hunderttausenden Corona-Toten sogar noch mehr Menschen Donald Trump ihre Stimme?

Im Grunde ging es um etwas anderes als „America great“ zu machen. Schon lange vor Trump hatte sich ein bedeutsamer kultureller Fortschritt angebahnt: Frauen, Homosexuelle, neue Immigrant*innen und People of Colour klagten ihre Gleichberechtigung immer erfolgreicher ein und füllten ihre Rechte oft mit sichtlich gutem Leben. Der amerikanische Traum lebte auf vormals lange nicht für möglich gehaltene Weise weiter: selbst eine „Person of Colour“ konnte Präsident werden. Barack Obama erschien öffentlich als kluger, herzlicher, humorvoller und gelassener Mann, mit der gebildeten Michelle Obama gleichberechtigt an seiner Seite, in Liebe verbunden als herzlich sorgende Eltern. Dieses Bild eines klugen und erfolgreichen farbigen Liebes- Eltern- und Ehepaars war das neue Symbol für den amerikanischen Traum; was für ein Unterschied zu den steifen und verklemmt erscheinenden Bushs und selbst zu dem althergebracht doppelmoralischen und lügenlastigen Ehedrama der Clintons.

Der amerikanische Traum von Glück und Erfolg, - auch wenn er sich nur selten erfüllte, weiterhin von großer Bedeutung - sollte nun für wirklich alle gelten? Das war das – für viele weiße USAmerikaner provokative - Versprechen in Obamas „Yes We Can“, mit der Betonung auf dem „We Can“, dem Miteinander, dem Team. Es brauchte jetzt aber zunehmend mehr Bildung, um das neue Ideal zu erfüllen, nicht nur als berufliche Qualifikation, sondern auch im Sinne von Empathie, Gleichberechtigungs- und Teamfähigkeit. Der erfolgreiche Einzelkämpfer, der amerikanische Held alter Schule mit (Ehe-)Frau als schmückendem Beiwerk, der STIRB-LANGSAM-Bruce-Willis kam langsam an sein Ende. Bill und Melinda Gates mit ihren Milliardeninvestitionen in Gesundheitsstiftungen und Virenforschung und die Teamarbeitsatmosphäre in den Großbetrieben des Silicon Valley standen für neue Unternehmungen größter Bedeutung. Auch wenn Obamas Gesamtbilanz am Ende viele enttäuschte - die Republikaner hatten seine Vorhaben nach Möglichkeit blockiert – so war Obama doch zumindest fähig, öffentlich zu weinen, wenn wieder einmal ein junger Waffennarr eine Schule stürmte und seine Mitschüler ermordete, und Obama wurde zugetraut, dass er wirklich mit sich ringt ob der Anwendung von militärischer Gewalt. Barack Obama war v.a. ein Leuchtturm von bisher kaum gekannter emotionaler Reife in diesem Amt.

Nicht (North-) „America“ war dem gegenüber klein und minderwertig geworden, vielmehr war das Selbstwertgefühl vieler Menschen angegriffen, die im Zuge des kulturellen Fortschritts damit konfrontiert waren, dass sie lange schon auf der falschen Seite standen, mit ihrem althergebrachten Rassismus, ihrer mangelhaften Gleichberechtigung, ihrer infantilen Religiosität, ihrer konservativen Sexual(doppel)moral, ihrem unsozialen Egoismus und ihrer brüchigen Identifizierung mit einem zweifelhaft ehrenvollen Nationalismus. Aretha Franklin, Tom Hanks, und Ellen DeGeneres waren jetzt vom Präsidenten verehrte und geehrte Menschen. Sie waren nicht die üblichen traumatisierten Held*innen des Militärs, nicht die Stars des Rostbelts, des „White Trash“, und auch nicht der Evangelikalen und der konservativen weißen Schichten. 

Letztere waren zudem gekränkt, weil es ihnen entgegen ihren privilegierten Ausgangsbedingungen vielfach nicht gelungen war, ihr Glück zu machen. Liebende und heiratende Homosexuelle, überhaupt sexuell mutige Randgruppen, aufstrebende People of Colour, selbstbestimmte Frauen, alle mit der Ausstrahlung auf emanzipatorischem Wege etwas Beglückendes zu schaffen, kränken auch heute all jene, die im Unglück ihrer konservativen und religiösen Enge gefangen und in ihrer Entwicklung somit blockiert sind. 

Der Programmentwurf in „„Make America Great Again“ war demgegenüber das Versprechen, alles rückgängig zu machen, was mit dem Selbstbewusstsein derer geschehen war, die sich einfach nicht mehr „great“ fühlen konnten.  Das „Again“ verrät die ganze (unsinnige) Rückwärtsgewandtheit der Bewegung. Der Rückwärtsmarsch der Trumpianer führte dann direkt in die Spaltung, denn das Zurück ließ keine gemeinsame Richtung der demokratischen Gesellschaftsentwicklung mehr zu, die späterhin die eine oder andere Korrektur erfahren könnte, je nach Ausgang der jeweils nächsten Wahl. Die gesellschaftlichen Konflikte verschärften sich, Kompromisslösungen waren nicht mehr möglich. 

Die Forderungen und Anklagen der progressiven Kräfte sind nun aber so basal mit demokratischen Grundrechten auf Gleichberechtigung, Unantastbarkeit der Würde und Meinungsfreiheit verbunden, dass sie mit großer emotionaler Wucht daherkommen. Die Stimmen der Opfer der bisherigen Verhältnisse treffen bis heute viele aus der weißen Mehrheit – die sich bisher für die unbefleckt Guten in der Welt hielten – mitten ins altersschwache Herz ihrer überkommenen nationalistischen Identität. Entsprechend viele sind dann willig, sich einer merkwürdigen Bewegung anzuschließen - auch wenn ein noch so gespreizter Heiopei sie anführt - solange dies nur verspricht, aus dem depressiven und schambesetzten Minderwertigkeitsgefühl herauszuhelfen, das jeden einsichtig Mitschuldigen bedroht. 

In seiner menschenrechtsbasierten Unumkehrbarkeit konnte der progressive kulturelle Wandel nur noch durch Lüge, Selbstüberhöhung und letztlich Gewalt bekämpft werden. Wer die frustrierten weißen USAmerikaner*innen gewinnen wollte - und genau das gelang Trump schon im Wahlkampf 2016 und noch weiter während seiner Präsidentschaft - der musste also „alternative facts“ und eine selbstbeweihräuchernde Weltsicht wie „America First“ bieten und rassistische Gewalt durch die Exekutive als gelungenes Durchsetzen von law-and-order verleugnen. Zudem musste der Fänger der frustrierten Männer sexistische Gewalt verkörpern und verharmlosen, auch für jene Frauen, die schon lange widerstandslos in einer eigentlich misogynen Umwelt lebten.  Und schließlich musste er als Held der durchhängenden Seelen die Verleugnung verkörpern, dass in der Vergangenheit kollektiv große Fehler begangen wurden, in Sachen Umweltzerstörung und menschengemachtem Klimawandel. Er sollte insgesamt die Rückkehr versinnbildlichen zu „einfacheren Wahrheiten“, die schon früher Lügen waren, zu einem stolzen unbefleckt weißen Lebensgefühl aus der Zeit vor „Black Lives Matter“, Wiki Leaks und Edward dem wunderbaren Snowden. Der dringlich gebrauchte Erlöser von der weißen Depression musste auch frei sein von Scham und Schuldgefühlen und im So-Sein-Wie-Er eine Alternative bieten zu Einsicht, Bedauern und notwendiger Reparation gegenüber den bisher Benachteiligten und Geschundenen. Trump erfüllte all diese Bedingungen ideal. Was bisher am schärfsten an ihm kritisiert wurde, ist im Grunde sein Erfolgsgeheimnis. 

Hatten die Schamverfolgten sich erst einmal der Trump-Bewegung anheimgegeben, konnten sie sich als Teile einer Gesellschaft fühlen, in der ihre Fehler und Unfähigkeiten nicht mehr vorhanden zu sein schienen. Wundersame Wandlungen vollzogen sich hier im Schatten des Trump, in seiner zwielichtigen Welt: so wurden aus den Abgehängten des kulturellen Fortschritts vermeintlich „ehrenhafte Patrioten“, deren Neid und Hass auf alle echten Gewinner*innen nun als „ehrenhafter Kampf gegen unamerikanische Umtriebe“ umgedeutet wurden. Aus Klimakiller*innen wurden merkwürdige Expert*innen, die den Klimawandel leugneten. Rassistische Gemeinheit wandelte sich in eine ehrenhafte Haltung, schließlich gab es in Charlottesville „good … people on both sides“. Lügner*innen wie Breitbart-Bannon oder die Spindoctors der Fox-News-Primetime sah man als Wahrheitsverkünder an, und der Wahrheit verpflichtete Medien wurden umgekehrt zu „fake-news“ erklärt. Und was für die nahe Zukunft am bedrohlichsten erscheint, die rechten Waffenbrüder, * und -Schwestern gerieren sich im Schatten Trumps als Verteidiger*innen von Recht und Ordnung. Der Bürgerkrieg naht, die dünne Decke der Zivilisation hat schon Schusslöcher, „i can´t breath!“ protestieren die einen, auf der anderen Seite marschieren immer öfter schwer bewaffnete private Milizen auf.

Was Trump und die Seinen eint, ist letztlich nicht der Wunsch, “America“ (USA) wieder „great“ zu sehen, sondern sich selbst „greater“ zu fühlen als diejenigen, von denen sie zu Recht angeklagt werden. In diesem Sinne ist Trumps verkehrte Welt für viele eine Droge, die hilft, hypomanisch und narzisstisch die Wahrheit zu verleugnen. Seine eigene Pathologie wird prägend für eine Art Massenaustritt aus der Realität und kann zum Schicksal einer Nation werden, weil seine Schuldgefühllosigkeit und seine Schamlosigkeit für viele sehr verführerisch sind. Und wer auf den Trump gekommen ist, die und der kommen umso schwerer wieder davon los, je weiter sie sich auf ihn eingelassen haben, weil sich mit der Einnahme der Droge und allen nachfolgenden Taten die - einzusehende, zu verarbeitende und eigentlich wiedergutzumachende - verleugnete Schuld weiter erhöht. 

Es ist ja gerade die vordergründig absolute Schuldgefühl- und Schamlosigkeit, die Trump und den Pöbel eint, der das Capitol stürmte. Die weltweit ausgestrahlten Szenen haben etwas entehrendes, sie verströmen eine Atmosphäre von respektlosem Zynismus, unerlaubtem und gewaltsamem Eindringen, Plünderung und Besudelung; es roch in Nancy Pelosis politischer Heimstatt nach Vergewaltigung einer Ikone der Demokratie, in einem Great-Again-Gangbang, v.a. durch Männer, die zuvor aufgestachelt worden waren von der toxisch männlichen Berechtigungsrethorik ihres Commanders in Chief.

Die Erstürmer des Capitols skandierten dann auch hemmungslos Lynchwilligkeit: „Hang Mike Pence!“ nachdem dieser bei der Anerkennung der Wahlergebnisse im Congress seine Rolle pflichtgemäß ausgefüllt hatte. Auch wenn Trump nicht selbst vor Ort war, die Enthemmung seiner Kombattant*innen hatte Trump als ihren skrupellosen Anführer zur Vorrausetzung, der die Hauptverantwortung trägt, als unmoralische Hoheit des Pöbels. Zugleich wird an diesem Tag eines besonders deutlich: es ist nicht zu unterschätzen, wie viel Kränkungswut und Hass freigesetzt werden können, wenn die narzisstische Realitätsverkennung der Trumpianer nicht mehr trostreich siegesgewiss wirken kann und an der Realität zu zerbrechen droht. Der Sturm aufs Capitol war nicht der erste Vorgeschmack der Hassausübung, aber der mit der bisher deutlichsten Symbolkraft. Viele harren dem nächsten Aufruf, wieder loszulegen, womöglich genügt ein nächster Funke, um die Stimmung vieler zu einer nächsten Explosion zu entzünden.

Trump ist häufig und zu Recht als pathologisch narzisstisch bezeichnet worden, aber was sind die entsprechenden Eigenheiten und wie prägen sie seine Verführungspotenz? Die Antwort darauf ist notwendiger Weise komplex: Schuldgefühl und Scham sind ihm fremd, er beschimpft, bepöbelt und erniedrigt andere, um sich selbst aufzuwerten und sich über diese zu erheben. Er liebt dafür jede Form von Macht. Ihm fehlen Empathie und Mitgefühl, das sichert zudem seine Lust, andere zu erniedrigen und zu benutzen. Er verkennt die Kümmerlichkeit seiner Erniedrigungsbedürfnisse und versucht seine Gegner an seiner Statt in kümmerliche Positionen zu zwingen. Er idealisiert andere, wenn er sich in deren Nähe selbst mit aufwerten kann; Leid blendet er aus, Covid19 ignoriert er lange, die Todeszahlen scheinen ihn nicht zu betreffen. Das erkennbare Leid ist ihm höchstens lästig, wenn es seine vermeintliche Erfolgsbilanz schmälert. Er vertauscht aus ungebremstem Glauben an die eigene Größe seine gewünschte Realität mit der tatsächlichen. In der gewünschten ist er der größte Präsident aller Zeiten, deshalb konnte seine Wiederwahl aus seiner Sicht nur ungefährdet sein, es sei denn, sie wurde „gestohlen“. Das Ausmaß der Realitätsverkennung war dabei für einen Mann seiner Verantwortungsposition so drastisch, so bedrohlich, dass viele diesen Umstand zwar sahen, aber doch affektiv nicht erfassten. Das Ausmaß der Trump´schen Realitätsverzerrung zu realisieren war wohl zu beängstigend. Wer es erkannte, geriet leicht in Panik, wie Nancy Pelosi zuletzt, die sogar noch einen Atomwaffeneinsatz fürchtete, von Trump in seinen letzten Amtstagen befohlen.

Die Realitätsverkennung kann in Trump – und in der Folge in seinem ganzen Lager - diese Dimension annehmen, weil es hier kein Gewissen gibt, das die Liebe zur Wahrheit als notwendige und sichere Grundlage menschlichen Miteinanders anerkennt.  An die Stelle des Gewissens und der Liebe zur Wahrheit war von Beginn seiner Amtszeit an ein Verwischen der Grenze von Wahrheit und Fiktion getreten, so dass ein Trump sich selbst ohne großen Aufwand als über allem stehend imaginieren konnte. Wenn Trump im Amt nach unten zu anderen blickte, konnte er vernichtend gemein sein, blickte er zu seinem Bild von sich selbst auf, trübte Begeisterung seinen Sinn. Ansonsten folgte er einer primitiven und empathielosen Urteilsdimension: es zählte nur der Deal, der Erfolg, und der Erfolg heiligte alle Mittel, die er alle einsetzen durfte, denn nur er weiß, was wann richtig ist. Das Verkennen der Wahrheit ist dabei nicht so auffällig wie z.B. der Größenwahn manches auffälligen psychotischen Manikers, es ist eher eine bedeutsame Lockerung und Unterspülung der Realitätserkennung durch weit übertriebene Grundannahmen bzgl. der eigenen Talente und Erfolgsgeschichte.

Nicht zu verleugnender Misserfolg ist der Feind eines solchen Narzissten und seines Gefolges, im einfachsten Fall wird ein solcher Misserfolg einfach bagatellisiert, ignoriert oder umgedeutet. In der Regel wird aber alles vermeintlich Schlechte, Belastende, Beschädigte, Unfähige als zur eigenen Person gehörig soweit irgend möglich verleugnet, abgespalten und auf andere projiziert. Der sexistisch missbrauchende Grabscher und vielfach sexueller Übergriffe und der Vergewaltigung beschuldigte Trump nannte dementsprechend dann alle Mexikaner Vergewaltiger und baute eine Mauer gegen ein ganzes Nachbarvolk, statt die Menschen diesseits vor sich und seinesgleichen zu schützen; er nannte alle Demokrat*innen linke Kommunist*innen / „Feind*innen der Freiheit“, er selbst ließ aber kleine Flüchtlingskinder z.T. getrennt von den Eltern inhaftieren und Migrant*innen in Käfigen konzentrieren. Trump schrie am lautesten „fake news“, und ist doch selbst ein pathologisch süchtiger Verdreher aller Wahrheiten, die ihm nicht passen. Er versuchte schamlos den Wahlerfolg von Biden & Harris zu stehlen und hält sich bis heute für ein Opfer eines solchen Frevels und einer riesigen Verschwörung. 

Wer immer in Not ist, unter Gefühlen heftiger seelischen Kränkung leidet, wer fürchtet, das Wichtigste im Leben nicht zu schaffen und letztlich zu scheitern, wem trotz guter Chancen und relativ gesichertem Leben in einem vergleichsweise reichen und sicheren Land kein Glück gelingt - und oft steht dem schon die Conditio Humana als innerpsychische Konflikthaftigkeit entgegen, zumeist kommen dann individuelle seelische Belastungen hinzu, die oft schon in früher Kindheit entstehen – der und die sind gefährdet, sich einer Bewegung unter einem Führer wie Trump anzuschließen, weil die Teilhabe eine tröstende Illusion von Größe, Bedeutung und Erfolg bietet, als Gegengewicht zu Scham und bohrenden Minderwertigkeitsgefühlen. Die USA haben viele hervorgebracht, die lieber groß auftrumpen.

Trump verkörpert die durchgehende Leugnung, dass er als belasteter, schuldiger und beschämter Mensch dasteht vor der kulturellen Entwicklung westlicher Demokratien, vor allen Fragen sozialer Verantwortung und damit auch vor den Menschen seines eigenen Landes. Gerade in dieser Verleugnung kann er denen ein Vorbild und Leuchtturm sein, die selbst einer Verleugnung bedürfen. Das machte ihn so erfolgreich und für die Zukunft gefährlich: zu viele sind in der Not, ihm weiter zu folgen. 

Für Biden und Harris wird es schwer, die Menschen zurückzuholen, die bisher mit Trump marschierten. Was könnten die beiden als Alternative bieten zu den Verlockungen unrealistischer narzisstischer Selbstbeweihräucherung auf Kosten anderer?  Vermutlich nicht sehr viel. Die Wahrheit als fester und sicherer gemeinsamer Boden kann für Trumpianer jedenfalls nur dann betretbar sein, wenn es eine großzügige Bereitschaft der Wahlsieger gibt, auch zu bekennen, was unter demokratischen Präsidenten und Regionalregierungen getan bzw. unterlassen worden war, viele Menschen enttäuschte und die Sehnsucht beförderte, sich von der Realität abzuwenden. Ich wünschte, Biden und Harris würden den Anfang machen, auch Fehler unter demokratischen Regierungen offen zu bekennen und echte Reparationen gegenüber allen zu beginnen, die „America“ zurückgelassen und benachteiligt hat. Das wäre wirklich „great“.

Mail: a.weber-meewes(at)psychoanalytische-praxis.de

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Kommentare (1)

  • Jochen Lellau
    Jochen Lellau
    vor 6 Tagen
    Eine sehr schöne, differenzierte Arbeit mit interdisziplinärem Blick auf die Entwicklungen, die mit dem Namen Trump verbunden sind. Vielen Dank!